Die Soldaten
und der Kaiser -
Kaisermacher,
Kaisermörder
1.
Entwicklung des Kaisertums (kurze
Zusammenfassung)
Seitdem 14 n. Chr. mit Augustus der erste
römische Kaiser des Prinzipats gestorben war, wurde der Kaisertitel
dynastisch weitergegeben, d.h. vererbt. Falls ein Herrscher eines Hauses
keinen Nachfahren hinterließ, übernahm ein anderes Haus die Macht.
So regierte von 14 - 68 die julisch-claudische Dynastie, zu der Tiberius,
Gaius Caligula, Claudius und Nero gehörten.
Der Historiker Tacitus beginnt mit seinen
Annalen unmittelbar nach
Augustus Tod, um auf die kritische Situation und die möglichen
Gefahren hinzuweisen, die der Augenblick des Machtwechsels mit sich brachte.
Zwar hatte Augustus dafür gesorgt, dass die Machtübernahme reibungslos
verlief; nach Neros Tod jedoch begann 69 n. Chr. das sog. Vierkaiserjahr.
Neros Nachfolger Galba wurde nach kurzer Regierungszeit das Opfer eines
Aufstandes, der Marcus Salvius Otho zum neuen Kaiser machte. Dieser führte
wiederum nach drei Monaten eine Schlacht gegen den ausgerufenen Gegenkaiser
A. Vitellius, die er verlor und daraufhin Selbstmord
beging. Auch hier wurde schnell ein Gegenkaiser, Vespasian, ausgerufen, der
aufgrund Vitellius Krankheit und dessen passiven Verhaltens leichtes
Spiel hatte.
Mit Vespasian begann im Jahre 69 die Dynastie
der Flavier (Vespasian, Titus, Domitian).
Später wählten die Kaiser ihre potentiellen
Nachfahren, indem sie sie adoptierten und ihnen so nach dem Tod die Macht
übertrugen. Diese Adoptivkaiser waren Nerva, Trajan, Hadrian, Antonius
Pius, Marc Aurel und Commodus.
2.
Septimius Severus
Nachdem Commodus in der Silvesternacht des Jahres
193 erwürgt worden war, ernannten seine Mörder Publius Helvius
Pertinax zum Kaiser, der sich jedoch, da er eine erhöhte Disziplin der
Soldaten erwartete, bei den Prätorianern schnell unbeliebt machte und
nach nur 86 Tagen Regierungszeit von diesen umgebracht wurde. Sie versteigerten
den Kaisertitel an den Meistbietenden; der Senator
Severus war der erste Kaiser afrikanischer Herkunft,
besaß jedoch die römische Staatsbürgerschaft. Er lebte in
einer orientalischen Weltanschauung und stand den bisherigen Traditionen
und Vorgehensweisen der Adoptivkaiser eher fremd gegenüber. Der Senat
erkannte ihn daher zunächst nicht an, wurde aber später dazu gezwungen,
da er die höhere Zahl an Anhängern besaß und der Senat ihm
so das Recht des Stärkeren einräumen musste.
Severus setzte sich vor allem für das Heer
ein. Er erhöhte den Lohn der Soldaten, der seit Jahrhunderten beinahe
gleich geblieben war, um die Hälfte; erlaubte ihnen, während der
Dienstzeit zu heiraten und gab ihnen mehr Möglichkeiten für
Beförderungen in höhere Offiziersränge. Weiterhin wurde die
gesamte Prätorianergarde wegen ihrer früheren Illoyalität
entlassen. Septimius Severus gründete eine neue Dynastie und änderte
das Prinzipat in eine Militärmonarchie, in der das Heer die Herrschaft
des Kaisers stützte. Nach dem Tod des letzten Severers, Severus Alexander,
konnte sich jedoch keine neue Dynastie etablieren, so dass ein Machtvakuum
entstand.
3.
Die Herrschaft der
Soldatenkaiser
Maximinus Thrax, ein Soldat aus der thrakischen
Provinz von niederer Herkunft, hatte sich im Heer hochgearbeitet und erfreute
sich unter den ehemaligen Soldaten Alexanders, die in Illyrien stationiert
waren, an hoher Beliebtheit. Er war der erste Kaiser, der direkt vom Heer
ernannt wurde und dessen Willen ausübte. Er sah sich in seiner Funktion
ganz als Soldat und ließ alle finanziellen Mittel dem Heer zukommen;
die besitzenden und gebildeten Schichten bedeuteten ihm nichts. Vom Senat
wurde inzwischen ein Gegenkaiser ausgerufen, der von Maximinus besiegt wurde.
Doch bald wurde auch er Opfer seiner eigenen Männer. Das Heer war jedoch
zur Herrschaft völlig ungeeignet. Die Legionen waren zu weit voneinander
entfernt, um einen einheitlichen Willen zu formulieren. Die Soldaten hatten
jedoch auch überhaupt keine politischen Interessen; sie forderten reiche
Schenkungen, Verbesserung der Lebensbedingungen und die Freiheit, alles mit
ihren Waffen zu tun, was mit ihnen möglich sei, sprich die Erlaubnis,
wahllos töten zu dürfen. Hierdurch sank die militärische Disziplin
erneut, das Heer barbarisierte. Auch dem Kaiser gelang es nicht mehr, sein
Heer unter Kontrolle zu bekommen, da er nicht mehr als Autoritätsperson
angesehen wurde und gestürzt wurde, wenn er die Forderungen der Soldaten
nicht erfüllte. Die Geduld des Heeres hielt sich in Grenzen: Ein Kaiser,
der den Tag zuvor noch gefeiert worden ist, konnte heute schon umgebracht
werden.
Oft herrschten mehrere Kaiser gleichzeitig,
später legalisierte Dioclectian eine vermehrte Anzahl an Kaisern, um
die Spitze des Staates gleichzeitig an mehreren Fronten des herrschenden
Krieges präsent zu haben. Die Verwaltung war im 2. Jahrhundert so stark
gewachsen, dass sie von einer Zentrale nicht mehr überwacht werden konnte.
Die jeweiligen Kaiser befanden sich zwar nur in bestimmten Gebieten, ihre
Gesetze galten aber für das gesamte Reich. Dies erforderte eine gute
Zusammenarbeit der Herrscher, die jedoch nicht stattfand: Meistens
bekämpften sich die Kaiser gegenseitig.
Wie Tacitus bereits beobachtete, versuchte
außerdem jede Legion, den amtierenden Kaiser abzusetzen und ihren eigenen
Führer zu krönen, so dass nicht nur Krieg gegen die Feinde (Germanen,
Neuperser, Araber) und gegen Zivilisten, sondern auch zwischen den Kaisern
untereinander herrschte. Die Herrscher lösten sich somit ständig
ab; zwischen 235 und 284 gab es beispielsweise allein über 30 Kaiser,
zu Spitzenzeiten bis zu sieben gleichzeitig. Nur einer von ihnen starb eines
natürlichen
Todes - alle anderen kamen entweder im Krieg um
oder wurden von ihren eigenen Soldaten ermordet.
Ein Beispiel für die Abhängigkeit des
Kaisers von dem schwankenden Willen der Soldaten ist Marcus Aurelius Probus
(276-282), der zunächst General war und nach dem Tod von Kaiser Tacitus
(nicht zu verwechseln mit dem Schriftsteller) von seinen Truppen zum Kaiser
ausgerufen wurde. Jedoch strebte auch Florianus, der Halbbruder von Tacitus
nach der Kaiserkrone, der die Unterstützung des Senats sowie der westlichen
Provinzen erhielt. Kurz vor der Entscheidungsschlacht wurde Florianus von
seinen eigenen Soldaten umgebracht, die erkannt hatten, dass Probus der
fähigere Führer war. Er regierte daraufhin sieben Jahre lang (was
für diese Zeit sehr lang ist) und wurde dann von Meuterern umgebracht,
die sich weigerten, in der Landwirtschaft statt auf dem Schlachtfeld zu
arbeiten.
Im Jahre 313 n. Chr. erklären die beiden
Herrscher Konstantin und Licinius die Anerkennung des Christentums, das Einfluss
auf das Rechtswesen nimmt und die Ära der Soldatenkaiser
beendet.
4.
Folgen
Die Bürgerkriege, inneren und äußeren
Krisen schwächten das soziale System des Staates Rom erheblich. Die
Moral des Volkes sank, die entstehenden Kriegskosten sorgten für Verarmung
der Stadtbevölkerung und später für Inflation. Die Kaiser
wurden durch den wachsenden geistigen Einfluss der orientalischen Denkweise
immer überheblicher, vergöttlichten sich selbst und erklärten
das Volk zu Untertanen; ein Zwangsstaat entstand allmählich. Die
Bürger konnten sich nicht mehr mit dem Staat identifizieren und
revoltierten, was zum inneren Zerfall beitrug. Gleichzeitig war dies ein
Nährboden für andere Religionen wie z.B. das Christentum, das 391
zur Staatsreligion erklärt wurde.
Die Tatsache, dass in kurzer Zeit sehr viele Kaiser
herrschten, ist heutzutage für Archäologen sehr wichtig, da jeder
neue Kaiser, sobald er an der Macht war, neue Münzen pressen ließ,
um sich die Loyalität der Soldaten zu sichern und seine Popularität
zu erhöhen. Dadurch sind von einigen Exemplaren heute noch über
zehntausend Stück vorhanden.
Hauptquellen:
Hartmann, J.: Das
Geschichtsbuch (Fischer)
Gibbon, Edward:
Der Verfall und Untergang des römischen Reiches
(Eichborn)
Mommsen, Theodor:
Römische Geschichte (Phaidon)
http://209.1.224.12/Athens/Forum/6946/images/
Julian
Horstmann