Aufstand am Rhein

1. Forderungen

Soldaten der Legionen am Rhein beschwerten sich über den zu geringen Sold, der noch unter dem der Tagelöhner in Rom lag. Weitere Punkte ihrer Unzufriedenheit waren die schlechte Behandlung durch die Vorgesetzten (viele der Soldaten wiesen Narben auf) und die schlechten Arbeitsbedingungen. Die Soldaten mussten nicht nur ihr Leben aufs Spiel setzen, sondern auch Lager, Straßen und Brücken errichten sowie Gräben und Wälle

Ein weiterer wichtiger Punkt war die Dauer des Dienstes. Denn viele der Soldaten hatten schon 20 oder mehr Jahre gedient und forderten nun ihre Entlassung. Außerdem beklagten sie, dass ihre Altersvorsorge unzureichend gesichert sei, da sie nur ein kleines Grundstück oder 3 000 Denare (=12 000 DM) erhielten.

Zudem gab es als Soldat kaum eine Möglichkeit Urlaub zu nehmen, da dieser bezahlt werden musste, wofür aber der Sold selten ausreichte.

2. Ablauf des Aufstandes

13 n. Chr. wurde Germanicus von Augustus nach Germanien geschickt, um das Oberkommando über die acht Legionen und auch über die gallischen Provinzen zu übernehmen. Dazu begab er sich nach Köln, wo sich die 1. und die 20. Legion aufhielten.

Am 19.8.14 n. Chr. verstarb Augustus, was große Unruhen in Rom und beim Heer auslöste. Zu der Zeit war ungewiss, wer nun die Herrschaft übernehmen würde. Zur Auswahl standen Tiberius, Agrippa Postumus, der aber ermordet wurde, und Germanicus. Letztendlich übernahm Tiberius die Herrschaft, aber die Unruhen legten sich dennoch nicht.

Als Germanicus in Gallien eine Steuerabschätzung durchführte, begannen die 1., 5., 20. und 21. Legion am Niederrhein sowie die 2., 13., 14. und 16. Legion am Oberrhein mit ihrem Aufstand, Dabei gingen die Soldaten auf ihre Zenturionen los, misshandelten sie und warfen sie teilweise in den Rhein.

Daraufhin begab sich Germanicus zum Niederrhein, um den Aufstand zu unterdrücken. Nachdem er sich die Forderungen der Soldaten angehört hatte, die er auch für begründet hielt, setzte er neue Regeln fest. So versprach er, den Sold zu verdoppeln sowie eine Verkürzung des Dienstes auf 20 Jahre. Die, die diese Zeit überschritten hatten, wurden entlassen; die, die 16 Jahre vorweisen konnten, wurden in Reserve geschickt (=Veteranen).

Anschließend zog Germanicus an den Oberrhein, um die Unruhen auch dort zu stoppen. Dies gelang ihm auch, bis einige Senatoren ins Lager kamen und die Soldaten befürchteten, ihre Rechte wieder abgeben zu müssen. Doch auch dies konnte er aufklären und schickte anschließend die Veteranen nach Rätien, wo sie die Provinz angeblich vor feindlichen Übergriffen schützen sollten.

Mit dem Rest des Heeres griff er die Marser an, die gerade eine Göttin feierten und sich nicht wehren konnten. So hatten die Römer ein Erfolgserlebnis und waren davon abgelenkt, sich unnötig Gedanken zu machen.

Allerdings erreichte Germanicus damit, dass sich die bis jetzt selbst bekämpfenden germanischen Stämme wieder zusammen taten, um sich gegen die Feinde zu wehren.

Ein weiterer Plan Germanicus´ war es, die verlorene Schlacht des Varus 9 n. Chr. zu rächen, sodass er im Frühjahr 15 n. Chr. die Chatten angriff, um einen der zwei Legionsadler zurückzuerobern. Dies gelang ihm auch, außerdem nahm er die Frau des Cheruskers Arminius nach dem anschließenden Kampf gegen denselben als Geisel.

Eine Schlacht gegen die Brukteren, deren Gebiet zwischen Lippe und Ems lag, folgte.

Anschließend teilte sich das Heer in zwei Teile, den einen übernahm Germanicus selbst, über den anderen kommandierte Caecina. Im Herbst 15 n. Chr. aber gerieten Caecina und seine Soldaten in eine Falle und eine Niederlage konnte nur knapp verhindert werden, er kehrte mit einigen Überlebenden zurück ins Lager.

Zur gleichen Zeit war auch Germanicus´ Heer in Gefahr, konnte sich aber ebenfalls retten.

Im Frühjahr 16 n. Chr. fasste Germanicus den Entschluss, die römische Grenze weiter an die Elbe zu verlegen, und marschierte erneut zum Kampf. Dazu plante er einen Angriff mit Hilfe von Schiffen, die allerdings noch gebaut werden mussten. Währenddessen griff Silius die Chatten erneut an und auch Germanicus plante eine neue Schlacht an der Lippe, die aber nicht stattfand. Die Gegner hatten bereits Kenntnis davon genommen und waren abgezogen. Als die Schiffe fertiggestellt waren, konnte die Schlacht gegen die Germanen beginnen.

Da sich viele Auxiliarhelfer (=Germanen, die für die Römer kämpften) von den Römern abwandten, kam es zu zwei großen Schlachten: die erste gewannen die Römer, die zweite endete angeblich unentschieden.

Als sich Germanicus nun mit seiner Gruppe auf der Nordsee befand, während er eine andere Gruppe zurück ins Winterlager geschickt hatte, kam ein Sturm auf und viele der Schiffe sanken. Die anderen strandeten auf kleinen Inseln ohne jegliche Verpflegung oder Marschgepäck für die Soldaten. Dadurch starb ein großer Teil der Besatzung, den Überlebenden befahl Germanicus, die Schiffe zu reparieren und die anderen Küsten nach weiteren Überlebenden abzusuchen. Anschließend machte auch er sich auf den Weg ins Winterlager.

Die Gruppe unter Gaius Silius, die sich bereits auf dem Weg ins Winterlager befand, musste, bevor sie dort eintraf, gegen die Chatten kämpfen. Germanicus führte auf seinem Weg eine Schlacht gegen die Marser, wobei er auch den zweiten verlorenen Legionsadler zurückeroberte. Anschließend ging es endlich in die Winterquartiere.

Im Jahr 17 n. Chr. wurde Germanicus dann von Tiberius in den Osten berufen, da seine Anwesenheit in Armenien und Kappadokien aufgrund von aufgekommenden Un- ruhen wegenThronstreitigkeiten erforderlich gewesen sei.

Was Germanicus in Germanien letztendlich erreicht hatte, war lediglich der Tod vieler Soldaten und Pferde sowie die Tatsache, dass sich viele verfeindete germanische Stämme verbündet hatten, um gegen die Römer zu kämpfen. Besiegt waren die Germanen bestimmt nicht.

Quellen: Internetseite http://www.asn-ibk.ac.at/bildung/faecher/geschichte/maike/agrippina/agrippI1.htm

diverse Lexika

Melanie Beck (07.10.2000)