Facharbeit im Leistungskurs Latein
Die Darstellung der ErmordungAgrippinas in
den antiken Quellen Viktoria-Luise-Gymnasium, Hameln 12/II
2000/2001 Verfasserin:
Melanie Flohr
Fachlehrer: Herr Schulz Abgabetermin:
15. 05. 2001
Inhaltsverzeichnis 1. Einleitung 1.1
Vorstellung
des Themas
.................................................................................S.
3 1.2
Relevanz des Themas
.....................................................................................S.
3 1.3
Erläuterung der eigenen Vorgehensweise
......................................................S. 3 2. Kurze
Biographie von Julia Agrippina und Nero 2.1
Julia Agrippina bis zur Geburt Neros
.............................................................S. 4 2.2
Julia Agrippina und ihr Sohn
..........................................................................S. 4 2.3
Nero nach dem Tod seiner Mutter
..................................................................S. 5 3. Die Entwicklung des
Verhältnisses von Agrippina und Nero bis hin zum Mord 3.1
Darstellung bei Sueton, Tacitus und Cassius Dio
...........................................S. 6 3.2
Darstellung in anderen antiken Quellen
..........................................................S. 9 4. Der
Muttermord 4.1
Darstellung bei Sueton, Tacitus und Cassius Dio
...........................................S. 10 4.2
Darstellung in anderen antiken Quellen
..........................................................S. 13 5. Vergleich
mit einem Beispiel aus der antiken Mythologie 5.1
Zusammenfassung der Orestes-Sage
...............................................................S. 14 5.2
Gegenüberstellung der Muttermörder Nero und Orestes
................................S. 14 6. Schluss 6.1
Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse
........................................S. 16 7.
Literaturverzeichnis
....................................................................................................S.
18 8. Anhang ..........................................................................................................................S. 19
1.
Einleitung 1.1
Vorstellung des Themas Bei dem Thema dieser Arbeit „Die Darstellung der Ermordung Agrippinas in den antiken Quellen“ kommt es darauf an, antike Quellen, die sich mit Nero und der Ermordung seiner Mutter befassen, miteinander zu vergleichen. Somit können Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Darstellungsweise herausgearbeitet werden, so dass man am Ende eine ungefähre Vorstellung von dem Ablauf der Tat und ihren Ursachen bekommt. 1.2
Relevanz des Themas Dieses Thema ist insofern relevant, als dass z.B. wissenschaftliche Autoren, die sich mit der damaligen Zeit beschäftigen bzw. in ihrer Literatur über sie berichten wollen, ihre Arbeit mit ähnlichen Zielen vor Augen angehen müssen. Sie vergleichen und werten die antiken Quellen, die sie für aussagekräftig halten, aus, um sich am Ende ein Bild über die ungefähre damalige Situation machen zu können. 1.3 Erläuterung
der eigenen Vorgehensweise Bei meiner Arbeit
setze ich meinen Schwerpunkt auf die antiken Quellen von Sueton, Tacitus und
Cassius Dio, in denen am umfangreichsten über Neros Leben und somit auch über
die Ermordung seiner Mutter berichtet wird. Bei Sueton verwende ich die Übersetzung
von Marion Giebel, bei Tacitus die von Walther Sontheimer und bei Cassius Dio
halte ich mich an die Übersetzung von Otto Veh. Des Weiteren
untersuche ich andere antike Quellen, aus denen sich etwas über das Thema in
Erfahrung bringen lässt. Am Ende fertige ich eine Gegenüberstellung von Nero
und Orestes, einer antiken Sagengestalt, die ebenfalls ihre Mutter ermordete,
an, da Nero selbst schon zu seinen Lebzeiten mit dieser verglichen wurde. 2.
Kurze Biographie von Julia Agrippina und Nero 2.1 Julia
Agrippina bis zur Geburt Neros Julia Agrippina
wurde am 06. November 15 n. Chr. in oppidum
Ubiorum, dem heutigen Köln, als die Tochter der Vipsania Agrippina und des
Germanicus geboren (siehe Abb. 1, Anh.). Im Alter von 13
Jahren (im Jahr 28) heiratete sie auf Veranlassung des Tiberius den zukünftigen
Konsul Cn. Domitius Ahenobarbus (vgl. KORNEMANN 1998, S. 223 f.). Nach neun
Jahren Ehe gebar sie am 15. Dezember 37 in Antium, dem heutigen Anzio, ihr
erstes und einziges Kind: L. Domitius Ahenobarbus, den späteren Kaiser Nero. 2.2 Julia
Agrippina und ihr Sohn Am Anfang des
Jahres 40 starb Agrippinas Ehemann eines natürlichen Todes (vgl. ECK 1993, S.
20). Kurz darauf wurde Agrippina auf Grund einer Verschwörung gegen ihren
Bruder Caligula, in die sie verwickelt war, von diesem in die Verbannung
geschickt. Nero lebte in dieser Zeit bei seiner Tante Lepida. Als Caligula am
24. Januar 41 ermordet wurde, kam Agrippinas Onkel Claudius an die Macht, der
ihre Verbannung aufhob. Noch im selben Jahr heiratete sie C. Sallustius Crispus
Passienus, den sie nach kurzer Zeit vergiftete, um ihn zu beerben (vgl. DESSAU
1926, S. 167). Anfang des Jahres
49 heiratete Agrippina ihren Onkel Claudius, den sie im folgenden Jahr zu einer
Adoption ihres Sohnes bewegen konnte, der seitdem den Namen Nero
Claudius Drusus Caesar Germanicus trug (vgl. KORNEMANN 1998, S. 228).
Agrippina erhielt den Ehrennamen Augusta. Im Jahr 53 heiratete Nero seine
Stiefschwester Octavia, welches auch auf Agrippinas Veranlassung hin geschah.
Dadurch war er Adoptiv- und Schwiegersohn des Claudius und wurde am 13. Oktober
54, nachdem Claudius vergiftet worden war, mit nicht einmal 17 Jahren zum neuen
Princeps ernannt, wobei Claudius` leibhaftiger Sohn Britannicus außer Acht
gelassen wurde. Neros Regierung
wurde in den ersten Jahren von seinem Lehrer Seneca, von dem Prätorianerpraefekten
Burrus und von Agrippina geführt. Im Jahr 55 ließ er seinen Stiefbruder und
Gegner Britannicus ermorden, und er entfremdete sich immer mehr von seiner
Mutter. Ausgelöst durch seine Geliebte Poppaea Sabina steigerte sich Neros Hass
auf seine Mutter und er ließ sie, nach einem mißglückten Mordversuch, am 20.
März 59 in ihrem Landhaus töten. 2.3 Nero nach
dem Tod seiner Mutter Im Jahr 62 ließ
sich Nero von seiner Frau Octavia scheiden und sie später in der Verbannung
ermorden, um seine Geliebte Poppaea Sabina heiraten zu können. Nero, der sich schon seit seiner Jugend für die Künste der Musik und für Wagenrennen begeisterte, trat ab 59 n. Chr. selbst als Wagenlenker auf und nahm als Kitharöde an Gesangswettbewerben teil. 66/67 unternahm er eine Vortragsreise durch Griechenland, seine einzige Auslandsreise. Im Juli 64
brannten mehrere Stadtviertel von Rom, und Nero, der sich zu diesem Zeitpunkt in
Antium befand, machte die Christen dafür verantwortlich. Er ließ sie
verfolgen, während er später wahrscheinlich zu Unrecht selbst der
Brandstiftung beschuldigt wurde (vgl. ENCARTA 99, Nero). Ein Jahr später kam es
zu einer Verschwörung gegen den Princeps, die Pisonische
Verschwörung, die durch zu viele
Mitwisser aufgedeckt wurde und deren Beteiligte, darunter auch Seneca,
hingerichtet wurden. Auch Poppaea Sabina kam durch sein Verschulden im selben
Jahr ums Leben. „Außenpolitisch
gelang es Nero nach einem kostspieligen Feldzug, Armenien zu einem Pufferstaat
gegen Parthien zu machen. Ein Aufruhr in Britannien (60-61) wurde unterdrückt,
während eine Erhebung der Judäer über den Tod des Kaisers hinaus andauerte
(66-70)“ (ENCARTA 99, Nero). Im Jahr 68 kam es
zu einem letzten Aufstand durch gallische und spanische Legionen. Auf Grund
dessen flüchtete Nero aus Rom und nahm sich am 9. Juni 68 in der Villa eines
Bekannten in der Nähe von Rom das Leben. 3.
Die Entwicklung des Verhältnisses von Agrippina und Nero bis hin zum
Mord 3.1
Darstellung
bei Sueton, Tacitus und Cassius Dio Bei den drei antiken Autoren Sueton, Tacitus und Cassius Dio
wird das Verhältnis von Nero zu seiner Mutter so dargestellt, dass sich aus
Mutterliebe mit der Zeit ein immer stärkerer Hass auf die Mutter entwickelte. Der Verlauf dieser Entwicklung lässt sich v.a. an den
Charakterzügen Agrippinas erklären. Kurz nach der Geburt Neros soll sein
leiblicher Vater Domitius Ahenobarbus gesagt haben: „Unmöglich kann ein anständiger
Mensch von mir und meiner Frau ausgehen“ (DIO, Epitome des Buches 61, 2.3).
Der Ausspruch des Ahenobarbus, der bei Sueton anzutreffen ist, „ein Geschöpf
von ihm und Agrippina könne nur ein Scheusal und eine Pest für den Staat
sein“ (SUETON, Nero 6.1), könnte erst im Nachhinein von Sueton so formuliert
worden sein, da Neros Schicksal und seine spätere Funktion im Staat so für
seinen Vater damals noch nicht zu erkennen war. Dennoch lassen sich schon an
diesem Ausspruch Agrippinas negativ geprägten Charaktereigenschaften erkennen,
da, wenn diese nicht vorhanden gewesen wären, dieser Ausspruch nicht gemacht
bzw. überliefert worden wäre. Auf Grund ihres berühmten und beliebten Vaters Germanicus
genoss Agrippina großes Ansehen im Volk, was ihr später zu gute kam. Bei
Sueton lässt sich dieses zum Beispiel an der Textstelle erkennen, wo Agrippina
aus dem Exil zurückkehrt und er schreibt „gratia
quidem et potentia reuocatae restitutaeque matris usque eo floruit“ (SUE,
Nero 6.4). Dieses verdeutlicht die Macht und das Ansehen, welches Agrippina besaß
und auch auf ihren Sohn Nero zu übertragen versuchte. In ihm sah sie den künftigen
Herrscher Roms, da ihr Traum selbst zu herrschen für sich als Frau nicht zu
realisieren war. Agrippinas ganzes Verhalten war daher so ausgelegt, ihren Sohn
Nero zum Princeps zu machen und damit als Mutter des Caesars neben ihm herrschen
zu können. Den wichtigsten Schritt, um ihr Ziel zu erreichen, vollbrachte Agrippina, indem sie sich ihrem Onkel Claudius, dem damaligen Princeps annäherte. „Denn sie war schön und besuchte ihn dauernd und konnte mit ihm als ihrem Onkel unbeobachtet allein sein; dabei benahm sie sich ihm gegenüber vertraulicher, als einer Nichte zukam“ (DIO, EdB 61, 31.6). Auch bei Tacitus ist erkennbar, dass Agrippina diejenige war, die sich mit Hilfe ihrer „inlecebris“ (TACITUS, Annalen XII, 3.1) dem Onkel näherte und versuchte, ihn für sich und ihre Pläne zu gewinnen. Im Jahr 49 n. Chr. heiratete sie Claudius, nachdem der Senat hierfür ein neues Gesetz beschlossen hatte, wonach ein Onkel seine Nichte heiraten konnte. Noch im gleichen Jahr setzte Agrippina Neros Verlobung mit Claudius` leiblicher Tochter Octavia und auch Neros Adoption durch. An ihrer bedachten und schnellen Handlungsweise wird deutlich, wie zügig Agrippina ihre Pläne umsetzen wollte. Dass Mutter und
Sohn zu diesem Zeitpunkt kein schlechtes Verhältnis zueinander gehabt haben
konnten, kann man mit einem Beispiel von Sueton belegen. Dieser berichtet, dass
Nero öffentlich als Belastungszeuge vor Gericht gegen seine Tante Lepida
auftrat, um seiner Mutter einen Gefallen zu tun (vgl. SUE, Nero 7.1). Das Verhältnis
der beiden musste also zumindest in der Öffentlichkeit, und wahrscheinlich auch
allgemein, harmoniert haben, da Nero ansonsten keinen Anlass zu dieser
Zeugenaussage gehabt hätte. Bei allen drei
Autoren erfährt man, dass Agrippina Annaeus Seneca die Erziehung ihres Sohnes
übertrug, nachdem sie die Auflösung seiner Verbannung bei Claudius
durchgesetzt hatte. Vor allem Tacitus verdeutlicht, dass die geschickte Wahl für
Seneca als Erzieher Nero auf seine Herrschaft vorbereiten sollte, da dessen
Gelehrsamkeit berühmt war und Agrippina sich erhoffte, seine Ratschläge für
die erwartete Herrschermacht nutzen zu können (vgl. TAC, Ann. XII, 8.2). Diese
Maßnahme sah Agrippina als notwendig an, da ihre eigenen Erziehungsmöglichkeiten
für die für Nero vorgesehene Rolle sicherlich nicht ausreichend waren, sie ihn
aber zum Herrscher machen wollte und damit auf die Hilfe Dritter zurückgreifen
musste. In der Öffentlichkeit nutzte sie selbst jede Gelegenheit, Nero populär
zu machen (vgl. DIO, EdB 61, 33.9). Nachdem Claudius
vergiftet worden war, wurde Nero am 13. Oktober 54 zum Herrscher ausgerufen.
Agrippina hatte damit das Ziel ihrer Wünsche erreicht. Auch Nero zeigte sich
seiner Mutter gegenüber dankbar. Er überhäufte Agrippina in der Öffentlichkeit
mit allen Ehren und gab dem Tribunen die Losung: optima mater (vgl. TAC, Ann. XIII, 2.3). Auch bei Sueton ist diese
Losung anzutreffen, was nicht an der Echtheit dieses Ausspruchs zweifeln lässt.
Er zeigt zugleich, in was für einem Verhältnis Nero in der Öffentlichkeit zu
seiner Mutter gestanden hat. Auch für das Volk wurde somit deutlich, dass es
nicht nur einen neuen Herrscher gab und es fragte sich in manchen Situationen,
was ihnen ein Mann als Herrscher nützte, „qui
a femina regeretur“ (TAC, Ann. XIII, 6.2). Im Jahr 55 erlitt die Mutter-Sohn-Beziehung langsam einen Bruch. Nero verliebte sich in die Freigelassene Acte. Dio leitet die Darstellung dieses Bruches ein, indem er schreibt: „Agrippina empfand es schmerzlich, daß sie – vor allem wegen Acte - nicht mehr als Herrin über das Geschehen im Kaiserpalaste entscheiden konnte“ (DIO, EdB 61, 7.1). Nero wurde immer willensstärker und eigenmächtiger, wobei er sich gleichzeitig auch immer mehr von Agrippina und ihren Vorstellungen löste. Sie selbst merkte dieses auch und wie sie eben noch ihren Sohn übertrieben streng gehalten hatte, so maßlos war sie jetzt wiederum in ihrer Unterwürfigkeit. Sie versuchte die Beziehung und damit ihren Einfluss aufrechtzuerhalten, sogar dadurch, dass sie ihm ihren Körper anbot, womit sie allerdings auch nicht das erreichte, was sie erreichen wollte. Als sie drohte, Britannicus an die Macht zu bringen, ließ Nero diesen vergiften. Da war Agrippina bewusst, „daß ihr nun die letzte Stütze entrissen und dies das Vorspiel zum Muttermord sei“ (TAC, Ann. XIII, 16.4). Nero nahm ihr die militärische Leibwache und wies ihr einen anderen Palast zu, so dass die räumliche Trennung der beiden auch den offiziellen Bruch des Verhältnisses darstellte. Als Agrippina wenig später angeklagt wurde, sie wolle Nero durch einen Staatsstreich stürzen, befahl er ihren sofortigen Tod und konnte nur von Burrus abgehalten werden. Dieser meinte, sie solle zu dieser Anklage erst einmal Stellung nehmen, womit er ihr vorerst das Leben rettete. Hieran wird schon deutlich, dass Nero für seine Mutter keinerlei Gefühle mehr hegte und auch vor einem Mord an ihr nicht zurückschrecken würde, was vier Jahre später Wirklichkeit werden sollte. 3.2
Darstellung in anderen antiken Quellen Die Entwicklung des Verhältnisses von Nero zu seiner Mutter lässt sich auch an Hand von Münzen aus der damaligen Zeit belegen. Da Agrippina schon seit ihrer Kindheit dem Herrscherhaus angehörte, wurde sie auch schon früh auf Münzen abgebildet. Während z.B. ihr Bruder Caligula an der Macht war, wurden in den Jahren 37/38 n. Chr. in Rom Münzen geprägt, auf deren Vorderseite das Porträt Caligulas abgebildet war, auf deren Rückseite Agrippina und ihre beiden Schwestern Drusilla und Julia, alle drei in Gestalt von Göttinnen (siehe Abb. 2, Anh.). Als Nero im Jahr 54. n. Chr. an die Macht gelangte, wurden in Rom Münzen geprägt, auf denen auf der Vorderseite sein Kopf dem von Agrippina gegenübersteht. Hierbei fällt auf, dass auf der Vorderseite die Legende nur Agrippinas Namen trägt, und zwar im Nominativ, während Neros Name, obwohl er der offizielle Herrscher war, auf der Rückseite und im Dativ genannt wird (siehe Abb. 5, Anh.). Dieses bedeutet, dass ihm die Münzen nur gewidmet sind und dass wahrscheinlich Agrippina die Anordnung für die Münzprägung gegeben hat (vgl. ECK 1993, S. 62). In den ersten Monaten der Herrschaft Neros wurden regelmäßig Münzen geprägt, auf denen sowohl Mutter als auch Sohn abgebildet waren. Hierbei fällt auf, dass Neros Porträt immer mehr dominierte und sein Name auch im Nominativ erschien; der seiner Mutter erschien zwar auch im Nominativ, aber in der Legende schon nur noch auf der Rückseite (siehe Abb. 3, Anh.). „Das > naturgegebene < Verhältnis von Über- und Unterordnung zwischen dem Herrscher und seiner Mutter und damit auch zwischen Mann und Frau war im wesentlichen wiederhergestellt“ (ECK 1993, S. 66). Das Ende des anfangs guten Verhältnisses
lässt sich daran erkennen, dass Agrippinas Porträt von dem Zeitpunkt an, wo
Nero ihr einen anderen Wohnsitz zuwies, nicht mehr auf Reichsmünzen erschien
(vgl. ECK 1993, S. 68). Dieses legt den Bruch der Beziehung dar. 4.
Der Muttermord 4.1 Darstellung
bei Sueton, Tacitus und Cassius Dio „Unter dem Konsulat des Gaius Vipstanus und (C.) Fonteius schob Nero das schon lange geplante Verbrechen nicht länger auf“ (TAC, Ann. XIV, 1.1). Dieser von Tacitus geschriebene Satz leitet über zu dem verhängnisvollen Ausgang der Beziehung zwischen Agrippina und ihrem Sohn Nero. Die Ermordung wird von Sueton, Tacitus und Dio in weitgehend den gleichen Abläufen geschildert, wobei der Umfang der jeweiligen Ausführung variiert. Der Auslöser für
Neros Tat ist an Hand dieser antiken Autoren Neros damalige Geliebte Poppaea
Sabina, die, wie man bei Tacitus und Dio erfährt, Nero gegen seine Mutter
aufgestachelt hat. Bei Dio war sie sogar – neben Seneca und anderen glaubwürdigen
Männern – der direkte Auslöser für den Mord, da sie Nero überredete, sich
seiner Mutter zu entledigen, indem sie fälschlicherweise behauptete, Agrippina
konspiriere gegen ihn (vgl. DIO, EdB 62, 12.1). Bei Sueton hingegen wird nicht
berichtet, inwieweit Poppaea Sabina Nero in dieser Richtung beeinflusste. Er
selbst ist hier der ausschlaggebende Faktor, da ihn die Drohungen und heftigen
Ausbrüche seiner Mutter in Schrecken versetzten (vgl. SUE, Nero 34.2). Nachdem Nero den
Beschluss zum Mord gefasst hatte, war er sich nur noch über seine
Vorgehensweise nicht schlüssig. Auffällig ist, dass bei Dio nicht er allein
die Mordtat plante, sondern mit ihren Gegnern zusammen, wobei hingegen bei
Tacitus und Sueton er die planende Kraft darstellte. Zuerst wollte er sie mit
Gift beseitigen, nach Sueton versuchte er es sogar dreimal damit, war aber nicht
dazu im Stande, da Agrippina sich mit Gegengiften zu schützen wusste. An dieser
Textstelle fällt auf, dass die drei Autoren unterschiedliche Begriffe anwenden,
wobei Sueton von antidota (vgl. SUE,
Nero 34.2), Tacitus von „remedia“ (TAC,
Ann. XIV, 3.2) und Dio von „panta gar
ekeinh iscurwx efulasseto“ (DIO, EdB 62, 12.2) berichtet. Dennoch drücken
alle drei damit die gleiche Tatsache aus, wobei die drei Versuche, Agrippina mit
Gift zu beseitigen, die bei Sueton beschrieben werden, nicht besonders plausibel
klingen. Auf der einen Seite ist es unwahrscheinlich, dass es für ihn nicht
bekannt war, dass sie solche Vorkehrungen traf und auf der anderen Seite, dass
er es dreimal versuchte, bevor er zu der Erkenntnis dessen kam. Nachdem Nero
folglich Gift als Mordmittel ausschließen musste, sah er sich nach einer
anderen Methode um. Sueton berichtet davon, dass Nero die Decke in Agrippinas
Schlafgemach so herrichten ließ, dass des Nachts Teile auf sie herabstürzen
sollten. Dieser Plan konnte jedoch durch zu viele Mitwisser nicht genügend
geheim gehalten werden (vgl. SUE, Nero 34.2). An dieser Stelle ist es fraglich,
warum nur Sueton und nicht auch Dio oder Tacitus dieses erwähnen. Ein konkreter
und realisierter Plan, der bei allen drei Autoren anzufinden ist, war der Bau
eines Schiffes, mit dem Agrippina Schiffbruch erleiden und dabei ums Leben
kommen sollte. Ob diese Idee nun von Nero selber (vgl. SUE, Nero 34.2), von dem
Flottenbefehlshaber Anicetus (vgl. TAC, Ann. XIV, 3.3) oder auf Anregung von
einem Theaterspiel (vgl. DIO, EdB 62, 12.2) entstanden ist, spielt im Nachhinein
eine unbedeutende Rolle, da das Geschehnis wichtig ist und nicht so sehr der
Ursprung dessen. Nero versuchte
das Vertrauen seiner Mutter zurückzugewinnen „reconciliatione simulata“ (SUE, Nero 34.2), um ihr Misstrauen zu
beseitigen. Das Verbrechen sollte nicht in Rom stattfinden, sondern in größerer
Entfernung davon, damit es weitgehend unaufgedeckt blieb. Nero wählte den Tag
des Quinquatrusfestes, das am 19. März
gefeiert wurde und welches namentlich bei Sueton und Tacitus vorkommt, für das
Zusammentreffen mit Agrippina aus. An den Textstellen, an denen Agrippina zu dem
Fest an- bzw. abreist, unterscheiden sich die drei Darstellungen. Nach Sueton
kam sie ohne Nero von Bauli, ihrem Landsitz, nach Baiae, wo das Fest stattfinden
sollte, mit einem Schnellsegler. Dieser wurde von den Schiffskapitänen seeuntüchtig
gemacht, so dass sie am Ende das präparierte Schiff von Nero nehmen musste
(vgl. SUE, Nero 34.2). Nach Dio hingegen unternahm Nero mit dem vorbereiteten
Schiff eine Seefahrt, damit bei ihr kein Misstrauen bzgl. des Schiffes aufkommen
konnte und sie fuhren zusammen nach Bauli, wo er sie bei mehrtägigen Gastmählern
bewirtete. Am Ende reiste sie mit diesem Schiff ab (vgl. DIO, EdB 62, 12.3 –
13.1). Nach Tacitus nun kam sie von Antium nach Bauli, wo Nero sie empfing. Nach
Baiae ließ sie sich in einer Sänfte bringen, da ein Verräter die Hand im
Spiel hatte und sie Neros Schiff misstraute. Während des Festes beseitigte Nero
ihre Furcht, so dass Agrippina mit dem vorbereiteten Schiff abreiste (vgl. TAC,
Ann. XIV, 4.1-4.5). Vor der Abreise verabschiedete sich Nero besonders intensiv
von seiner Mutter, was auch bei allen drei Autoren so anzufinden ist. Bei dem
darauf folgenden Schiffsunglück (siehe Abb. 6, Anh.) fällt bei den
Berichterstattungen von Sueton, Tacitus und Dio auf, dass sie sich vor allem
bzgl. ihres Umfanges sehr stark voneinander unterscheiden. Sueton erwähnt den
Ablauf des Unglücks bzw. dessen Ausgang nur indirekt, indem er berichtet, dass
Nero davon erfuhr, dass Agrippina sich habe retten können. Bei Dio erfolgt die
Berichterstattung ausführlicher, Tacitus geht sogar bis ins Detail. Dio legt
hierbei darauf Wert, dass dem Leser der Ausgang des Schiffsattentats bekannt
gegeben wird, nämlich, dass Agrippina sich schwimmend retten konnte, während
ihre Reisebegleiterin Acceronia Pallas von den Rudern der Seeleute erschlagen
wurde. Auf solche Details, wie sie bei Tacitus auftauchen, z.B. wie genau der
Ablauf des Auseinanderbrechen des Schiffes sich ereignete oder dass Acceronia
erschlagen wurde, weil sie sich als Agrippina ausgab, verzichtet Dio gänzlich. Agrippina, in
ihrem Landhaus angekommen, erkannte, welche Absicht Nero hegte und dass sie nur
knapp dem Tod entronnen war. Sie kam daher zur Einsicht, „daß es nur ein
einziges Mittel gebe, sich gegen einen heimtückischen Anschlag zu schützen:
von ihm keine Notiz zu nehmen“ (TAC, Ann. XIV, 6.1). Sie schickte ihren Boten
Agermus zu Nero, der ihm berichten sollte, dass es ihr trotz eines Schiffsunglücks
gut ginge, sie aber erst einmal Ruhe bräuchte. Dieser Bote wurde nach allen
drei Autoren gleich behandelt. Nero behauptete nämlich, dieser wolle ihn
ermorden, wobei er bei Sueton und Tacitus ein Messer, zur Vortäuschung eines
Attentats auf sich, neben Agermus warf. Dieser wurde daraufhin in Ketten gelegt.
Danach sandte Nero Männer, u.a. Anicetus, aus, die seine Mutter töten, dabei
jedoch den Anschein erwecken sollten, sie habe sich den Folgen ihres versuchten
Attentats durch Agermus mit einem Selbstmord entziehen wollen (vgl. SUE, Nero
34.3). Auch bei der Darstellung der Ermordung trägt es sich ähnlich zu wie bei
der Darstellung des Schiffsunglücks. Sueton nämlich berichtet nur von der
Tatsache, dass sie ermordet wurde, Dio schildert den Vorgang ausführlicher,
Tacitus geht bis ins Detail. Der ungewöhnliche letzte Ausspruch „ventrem
feri“ (TAC, Ann. XIV, 8.5) bzw. „paie
[...] tauthn, Anikhte, paie, oti
Nerwna eteken“
(DIO, EdB 62, 13.5) fehlt bei Sueton ganz. Nach der
Ermordung, die in der Nacht nach dem Quinquatrusfest, also am 20. März 59,
stattfand, eilte Nero zu seiner Mutter, wie Dio begründet, um mit eigenen Augen
zu sehen, ob sie wirklich tot sei. Auch Sueton und Tacitus berichten davon, dass
Nero Agrippina noch einmal aufs innigste betrachtete, wobei sich Tacitus darüber
nicht eindeutig festlegt, indem er erwähnt, dass die einen Quellen es überliefert
haben, die anderen es verneinen (vgl. TAC, Ann. XIV, 9.1). Letztendlich
hatte sich die Prophezeiung, die Agrippina Jahre zuvor von einem Astrologen
bekommen hatte, dass ihr Sohn Kaiser werde und seine Mutter töten würde, bestätigt.
Ihre Worte darauf „occidat [...] dum
imperet“ (TAC, Ann. XIV, 9.3) bzw. „apokteinatw me, monon basileusatw“ (DIO, EdB 61, 2.2), die bei Sueton nicht
erwähnt werden, hatte sie wahrscheinlich ausgesprochen, ohne sich über deren
Sinn Gedanken gemacht zu haben, denn mit einem solchen fatum hatte sie sicherlich nicht gerechnet. 4.2
Darstellung in anderen antiken Quellen Eine antike Quelle, die auf die Ermordung Agrippinas anspielt, ist die Tragödie „Octavia“, deren Autor Seneca sein soll, die aber sicherlich nicht von diesem stammt (vgl. SENECA 1999, S. 597). In dieser Tragödie, die die Geschehnisse im Jahr 62 darstellt, erscheint der Geist der ermordeten Agrippina. Ihr Geist erwähnt das Schiffsunglück und den Mord in der darauffolgenden Nacht, in der sie, „perempta ferro“ (SENECA, Octavia, Z.606), starb. Des Weiteren berichtet Agrippinas Schatten davon, dass Nero aus Furcht alle Standbilder, Ehrentafeln etc. von ihr vernichten ließ, auch um die Erinnerung an Agrippina zu beseitigen. Diese Tragödie
gibt nur geringe Inhalte der Ermordung wieder und ist daher als Quelle dessen
nur geringfügig geeignet. 5. Vergleich mit einem Beispiel aus der antiken
Mythologie 5.1
Zusammenfassung der Orestes-Sage Orestes war der
Sohn des Agamemnon und der Klytämnestra, welche einen Geliebten namens
Aigisthos hatte. Agamemnon wurde, als er eines Tages von einer Reise zurückkehrte,
von seiner Frau und Aigisthos erdolcht. Orestes, der zu diesem Zeitpunkt noch
ein Kind war, wurde von seiner älteren Schwester Elektra, die in ihm den späteren
Rächer seines Vaters sah und daher besorgt um seine Sicherheit war, zu ihrem
Onkel, dem König Strophios, geschickt. Dort wurde Orestes mit dem Sohn des Königs,
Pylades, aufgezogen. Mehrere Jahre später kehrte Orestes auf Anweisung eines
Orakelspruch Apollons mit Pylades nach Mykene, wo seine Familie lebte, zurück
und tötete seine Mutter und deren Geliebten. Gleich nach der Tat wurde Orestes
von den Rachegöttinnen, den Erinnyen, verfolgt. Daher floh er vor diesen und
gelangte, nach langen Irrfahrten, auf Rat Apollons und unter dem Schutz des Götterboten
Hermes, nach Athen zu der Göttin Athene, die den Muttermord nicht für unsühnbar
hielt. Orestes musste sich vor Athene und dem Ältestenrat, dem Aeropag, die über
eine Verurteilung entscheiden sollten, äußern. Er gab zu, dass er der Mörder
seiner Mutter sei, da er in ihr nicht seine Mutter, sondern die Mörderin seines
Vaters sah und dass er in der Zwischenzeit auf Grund der Rachegöttinnen schon
genügend Leiden hätte ertragen müssen. Orestes Aussage wurde akzeptiert, so
dass er daraufhin freigesprochen wurde und die Erinnyen ihn nicht weiter
verfolgten. Später bestieg
Orestes den Thron in Mykene und regierte dort sein Leben lang, bis er mit etwa
neunzig Jahren von einer Schlange gebissen wurde und so seinen Tod fand. 5.2 Gegenüberstellung
der Muttermörder Nero und Orestes „Nero, Orest,
Alkmäon: Muttermörder sind´s!“ (SUE, Nero, 39.2). Eine solche vom Volk
verfasste Inschrift fand sich, nachdem Nero nach dem Mord an seiner Mutter nach
Rom zurückgekehrt war, an vielen Plätzen der Stadt an. Der Vergleich mit
Orestes, und auch mit Alkmäon, liegt nah, da diese ebenfalls ihre Mutter töteten. Bei der Gegenüberstellung
von Nero und Orestes ist auffällig, dass zwar beide ihre Mutter töteten, wobei
Nero nur den Auftrag dafür erteilte und nicht selbst, wie Orestes, aktiv wurde,
jedoch aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Orestes, der seit seiner
Kindheit keinen Kontakt zu Klytemnästra hatte, rächte sich an seiner Mutter
dafür, dass sie und ihr Liebhaber seinen Vater ermordeten. Nero, in enger
Beziehung zu seiner Mutter aufgewachsen, dessen Stiefvater zwar auch von ihr
umgebracht wurde, ließ Agrippina aber nicht aus diesen Grund ermorden, sondern
weil er Angst vor ihr und ihrer Macht hatte. Ein weiterer
entscheidender Unterschied zwischen den beiden ist, dass Nero nach der Tat nicht
zu dem Mord stand, sondern behauptete, Agrippina habe in dem Bewusstsein,
Agermus zu einem Mord an Nero angestiftet zu haben, an sich selbst die Strafe
vollzogen (vgl. TAC, Ann. XIV, 10.3). Orestes hingegen leugnete nie, dass er der
Mörder seiner Mutter sei bzw. der Frau, die seinen Vater ermorden ließ, wobei
er diese Frau nicht mehr als seine Mutter betrachtete. Orestes wurde nach dem
Mord für längere Zeit von den Rachegöttinnen, den Erinnyen, verfolgt und
nicht in Frieden gelassen, bis er durch Hilfe der Götter von ihnen befreit
wurde. Auch Nero litt noch lange nach der Tat an ähnlichen Erscheinungen. Er
schreckte nachts oft von Alpträumen gequält auf, in denen ihn der Geist
Agrippinas und die Rachegöttinnen heimsuchten. Wie Orestes versuchte auch Nero
diesen zu entkommen, wechselte ebenfalls seinen Aufenthaltsort, wo ihm das nämliche
widerfuhr und er sich voll Entsetzen anderswohin wandte (vgl. DIO, EdB 62,
14.4). Des Weiteren begann Nero mit 30 Jahren Selbstmord, während Orestes mit
92 Jahren an einem Schlangenbiss starb. Letztendlich
lieferte Nero selbst die Grundlagen für den Vergleich zwischen seiner Person
und Orestes, indem er bei der Aufführung einer Tragödie als „Orest, der
Muttermörder“ auftrat und somit die Behauptung, er sei der Mörder seiner
Mutter, in gewisser Weise konkretisierte. 6. Schluss 6.1
Zusammenfassung und Auswertung der Ergebnisse Die Ermordung Agrippinas durch ihren Sohn Nero wird bei den antiken Autoren Sueton, Tacitus und Cassius Dio ausführlich beschrieben. Der Leser erfährt, dass Neros erster Mordversuch, bei dem Agrippina bei einem von ihn geplanten Schiffsunglück ums Leben kommen sollte, missglückte und sie sich schwimmend retten konnte. Daraufhin schickte sie ihren Boten Agermus zu Nero, der dort in Ketten gelegt wurde. Aus Angst davor, sie könne ihm zuvor kommen und er müsste dann sein Leben lassen, schickte Nero Männer zu Agrippina hin, die sie in ihrem Landhaus ermordeten. An den Abläufen
dieser Tat gibt es meiner Meinung nach keinen Zweifel, da sie bei den drei
Autoren weitgehenst gleich beschrieben werden. Nur in kleinen Details und
letztendlich in der Ausführlichkeit ihrer Schilderung unterscheiden sich die
drei. Hierbei fällt auf, dass Sueton seine Schilderung nur auf die Sichtweise
Neros beschränkt. Bei dem Schiffsunglück z.B. ist Nero nicht direkt anwesend,
daher folgen hier auch keine genauen Beschreibungen dazu. Auch Aussprüche
Agrippinas, z.B. dass Nero sie ruhig ermorden könne, wenn er nur herrsche,
fehlen bei Sueton gänzlich. Auf Grund dieser Feststellung lässt sich auch erklären,
weshalb Suetons Darstellung der Ermordung vom Umfang her am geringsten ist. Dem
folgt Cassius Dio, am umfangreichsten und bis in kleine Details hineingehend
erfolgt die Beschreibung bei Tacitus. Neben diesen drei
Autoren existieren kaum andere antike Quellen, die die Ermordung Agrippinas bzw.
die Gründe dafür beschreiben. Eine wichtige, aber nicht allzu ausführliche
Quelle sind die Münzen der damaligen Zeit, an deren Prägungen sich die
Entwicklung der Beziehung Neros zu seiner Mutter, die letztendlich zu dem Mord führte,
vermuten lässt. Auch die Tragödie
„Octavia“, in der Agrippinas Geist im Jahr 62 erscheint, informiert bruchstückhaft
und nur in wenigen Sätzen über die Ermordung. Hierbei muss man allerdings
bedenken, dass es nicht ihre Aufgabe sein sollte, die Ermordung darzulegen,
sondern über Octavia zu berichten. Bei dem Vergleich
zwischen Nero und Orestes wird deutlich, dass Nero bis auf den Muttermord kaum
Gemeinsamkeiten mit Orestes aufweisen kann. Dennoch wird er auf Grund des Mordes
vom Volk mit Orestes verglichen und er setzt sich mit dieser Person in einer
Tragödie, in der er „Orest, den Muttermörder“ darstellt, auseinander.
Hieran wird deutlich, dass Nero sich selbst, obwohl er Agrippina nicht direkt tötete,
als Agrippinas Mörder ansah und dieses im Laufe der Zeit auch vorm Volk nicht länger
verbarg. Insgesamt ist mir bei dieser Arbeit deutlich geworden, dass Agrippina auf Grund ihrer Gier nach Macht an ihrer Ermordung nicht unbeteiligt und dieses Schicksal daher vorhersehbar war, wie es ja auch von einem Astrologen vorhergesehen wurde. Sie erzog Nero schon als Kind zum Herrscher und ihre Liebe galt nicht dem Sohn, sondern dem zukünftigen Herrscher in ihm. Somit ist es erklärlich, dass Nero sich mit fortschreitendem Alter immer mehr von der bedrängenden Beziehung zu seiner Mutter lösen wollte und der endgültige Bruch erst mit ihrem Tod einsetzen konnte.
7.
Literaturverzeichnis Primärliteratur DIO, Cassius: Roman History. Books LXI-LXX. With an
english translation by Earnest Cary. Cambridge u.a. 1995 (1925). DIO, Cassius: Römische Geschichte. Band V, Epitome
der Bücher 61-80. Übersetzt v. Otto Veh. Zürich u.a. o.J.. SENECA: Sämtliche Tragödien. Lateinisch und
Deutsch. Übersetzt u. erläutert v. Theodor Thomann. Zürich 1961. SUETON: Nero. Lateinisch/Deutsch. Hrsg. u. übersetzt
v. Marion Giebel. Stuttgart 1978. TACITUS: Annalen XI-XVI. Übersetzt u. mit
Anmerkungen versehen v. Walther Sontheimer. Stuttgart 1967. TACITUS, Cornelius: Ab excessu divi Augusti. Hrsg. v.
Heinz Heubner. Stuttgart 1994. Sekundärliteratur CARSTENSEN, Richard: Griechische Sagen. 23. Auflage,
München 1999 DESSAU, Hermann: Geschichte der Römischen
Kaiserzeit. Die Kaiser von Tiberius bis Vitellius. Berlin 1926. ECK, Werner: Agrippina, die Stadtgründerin Kölns.
Eine Frau in der frühkaiserzeitlichen Politik. Köln 1993. KORNEMANN, Ernst: Große Frauen im Altertum. Köln
1998. SENECA, L. Annaeus: Philosophische Schriften.
Lateinisch und Deutsch. Hrsg. v. Manfred Rosenbach. Darmstadt 1999 Lexika und Handbücher
Microsoft Nachschlagewerke: ENCARTA 99
|