Hadrian und Antinous

Hadrian ist am 24.01.76 n.Chr. in Rom als Publius Aelius Hadrianus geboren. Er war der Großneffe Traians, der zu dieser Zeit römischer Kaiser war. Beide Familien waren im spanischen Italica nahe dem heutigen Sevilla ansässig. Nach dem Tod Hadrians Vater übernahm Traian sowie ein gewisser Publius Accilius Attianus die Erziehung von diesem. Als sein Adoptivsohn hatte er die Möglichkeit den Thron zu übernehmen. Am 11.08.117 n. Chr., nach Traians Tod, riefen ihn seine Truppen als neuen Kaiser aus, ohne dass der Senat, der seine Zustimmung hätte geben müssen, davon wusste. Hadrian entschuldigte diese Verfahrensweise indem er dem Rat erzählte, dass er Angst habe, dass das römische Reich ohne Herrscher dastehen könnte.

 

Die Regierung des Hadrian begann 117 n. Chr. mit einer Krise. Er gab einige von Traian eroberte Gebiete wieder auf. Mit dieser Entscheidung waren die Feldherren natürlich nicht einverstanden und so kam es zur sogenannten "Verschwörung der vier Konsulare". Sie opponierten gegen die Entscheidung des neuen Princeps. Attianus schlug den Aufruhr nieder und die vier Konsulen wurden mit Zustimmung des Senats hingerichtet. Da das römische Volk Hadrian für dieses Urteil verantwortlich machte, machte er ihm großzügige Geldgeschenke, erließ Schulden, richtete Spiele aus und setzte Attianus ab, dem er die Schuld für die Tötung der Feldherren in die Schuhe schob. Außerdem gelobte er um den Senat erst einmal ruhig zu stellen, niemals einen Senator ohne deren Zustimmung zu bestrafen. Bei Antritt seiner Herrschaft schrumpfte er das Imperium wieder auf ein vernünftiges Maß, sorgte für eine Absicherung der Grenzen und kümmerte sich um eine Konsolidierung im Inneren.

Er nahm überall Kontrollen des Militärs vor und machte ständig Verbesserungsvorschläge. Um die Soldaten für sich zu gewinnen, aß er bei seinen Besuchen die gleiche spärliche Nahrung wie diese. Um den Aufrührern in Britannien deutlich zu machen, wo das römische Reich begann und zugleich eine bessere Kontrolle der Grenzübergänge zu sichern, ließ er den Hadrianswall errichten. Auch in anderen Gegenden baute er die Grenzanlagen aus. Er besichtigte auf seinen Reisen vor allem Landschaften wegen ihrer Naturschönheit oder historischer Bedeutung, daher bekam er von Tertullian den Spitznamen "Erkunder aller Sehenswürdigkeiten". Überall, wo Hadrian hinkam, ließ er Bauten errichten oder restaurieren. Von den 21 Jahren seiner Regierungszeit, verbrachte er mindestens 13 außerhalb Italiens. In Rom ist z. B. das Panteon, der größte antike Kuppelbau, von ihm neu gebaut worden, nachdem der Tempel ursprünglich von Agrippa errichtet, stark beschädigt worden war. Für die Stadtgöttin und die Göttin Venus ließ er auch den Bau eines Doppeltempels in Angriff nehmen, dessen Reste noch heute gegenüber des Kolosseums stehen. Durch das viele herumreisen hinterließ er in den Herzen der Provinzbevölkerung die Gewissheit, dass der Kaiser zu Ihnen gehörte.

Das außenpolitisch folgenreichste Ereignis hadrianischer Zeit nahm seinen Anfang 132 n. Chr.. Hadrian verhängte ein Beschneidungsverbot. Die Kämpfe wurden mit aller Härte ausgefochten. Kann ein anderer Krieg in der Antike forderte so viele Opfer und war von solcher Zerstörungswut geprägt. Cassius Dio berichtete es seinen 50 Festungen und 985 Siedlungen zerstört worden und es habe 580000 Tote gegeben, ausgenommen der Verhungerten.

Seine Innenpolitik galt der Systematisierung des Verwaltungsapparates. Er teilte den Staatsdienst in zwei Sektoren - den militärischen und den Zivilen - , und erstmalig  brauchte ein Mann vor seiner Aufnahme in die Zivilverwaltung nicht in der Armee gedient haben. Der Verwaltungsapparat entwickelte sich zu einer Domäne des Ritterstandes.

 

 

 

Hadrians Launen unterlagen starken Schwankungen. Mal war er sanft, mal brutal; mal großzügig und dann wieder geizig. Durch zum teil zu milde, aber auch teils zu harte Urteile, hatte der Senat eine feindliche Haltung gegen ihn. Das Verhältnis zu seiner Frau Vibia Sabina, einer Großnichte Traians, die er kurz nach dessen Regierungsantritt 98 n. Chr. geheiratet hatte, war offenbar nicht das Beste. Sie hatten keine gemeinsamen Kinder. Sabina galt als untreu, launisch und schroff. Hadrian allerdings, soll sich angeblich selbst gerne mit verheirateten Frauen vergnügt haben, dass er aber auch Beziehungen zu jungen Männern gesucht hat , beweist das Verhältnis mit dem bithyninischen Knaben Antinous, der durch ungeklärte Umstände im Nil umkam.

Hadrian erscheint uns als gebildeter Mensch mit romantischen Anwandlungen. Er sehnte sich nach der guten, alten Zeit und zog die altertümlichen Schriftsteller wie Cato, Ennius , Caelius einem Cicero oder Vergil vor. Er selbst war auch schriftstellerisch tätig. Es sind noch einige Fragmente der von ihm verfassten Gedichte vorhanden, wobei eine Autobiographie leider verloren gegangen ist. Er spielte leidenschaftlich gern die Leier und sang dazu. Zeitlebens ließ ihn die griechische Geisteskunst nicht ruhen: Hadrian trug einen an Philosophen erinnernden Vollbart. Alle Kaiser vor ihm waren hingegen glattrasiert. Auch sein künstlich gekräuseltes Haar nahm an Länge zu, während sein Vorgänger eine militärische Kurzhaarfrisur getragen hatte. Bis ins 3. Jh. n. Chr. hinein prägte er die Mode.

Von seiner letzten großen Reise kehrte er 134/135 n. Chr. nach Rom zurück. Er war gesundheitlich angeschlagen. Um seine Thronfolge zu sichern, wählte der Kaiser noch im selbigen Jahr Lucius Clionius  Commodus Verus zu seinem Nachfolger und formalisierte seine Wahl durch Adoption. Dieser verstarb jedoch bereits Anfang des Jahres 138 n. Chr.. Die Nachfolge musste nun dringend geregelt werden. So adoptierte der kränkelnde Kaiser den geachteten Senator und künftigen Kaiser Titus Aurelius Antonius, der schon älter als 50 war. Er erlegte diesem auf seinerseits zwei Söhne zu adoptieren: Lucius Verus (Sohn des verstorbenen Commodus) und Marcus Aurelius (Neffe des Antonius).

 

    

 

In seinen letzten Lebensmonaten hat Hadrian sehr gelitten und hielt sich fast nur noch n seiner Villa in Tivoli auf. Dort war er umgeben von Gebäuden und Landschaften, die Höhepunkte seiner Reisen festhalten sollten. Wegen seiner unerschütterlichen Liebe zur griechischen Kultur, war seine Villa übersät mit Kopien de griechischen Welt. Auch Bilder seines verstorbenen Lieblings Antonius waren allgegenwärtig. Oftmals soll er aus Verzweiflung versucht haben, sich das Leben zu nehmen. An seinem Lebensende hatte Hadrian keine Freunde mehr. Er war misstrauisch geworden. Seine engsten Vertrauten oder sogar seine Verwandten ließ er hinrichten oder trieb sie ins Exil. Während seiner letzten Reise nach Biae, in das berühmte Seebad am Golf von Neapel, wurde er dann endlich erlöst  und verstarb am 10.06.138 n. Chr.. Zunächst wollte der Senat all seine Beschlüsse rückgängig machen und jegliche Erinnerung an ihn auslöschen. Durch Antonius Pius, der durch Adoption von Hadrian zum Kaiser wurde,  Hadrians Leichnam schließlich nach Rom überführt und in seinem Mausoleum beigesetzt, das wir heute unter dem Namen Engelsburg kennen.