Das Haus der Livia
(von Wiebke Pohl)
Auf dem Palatin, östlich des Kybele-Tempels liegt eine Häusergruppe aus spätrepublikanischer Zeit (1. Jahrhundert n. Chr.). Eines der nach außen bescheiden erscheinenden Gebäude ist wahrscheinlich der Teil von Augustus` Palast, der seiner zweiten Gattin vorbehalten war, das Haus der Livia. Augustus kaufte die Gebäude um 36 n. Chr.
In einem Raum fand man eine Bleiröhre mit der Inschrift Livia Augusta. Dieser verdankt das Haus, das aus vier Zimmern besteht, seinen Namen. Durch einen geneigten Gang gelangt man in einen rechteckigen von Pfeilern umgebenen Hof, das Atrium. Der Boden des Ganges ist, wie alle Räume des Hauses, mit einem einfachen schwarz-weißen Mosaikfußboden ausgestattet. Es gibt noch Tonröhren für die Zentralheizung, die in den Wänden des Hauses verliefen.
Im ganzen Haus sind sehr schöne Wandmalereien aus dem zweiten pompejanischen Stil erhalten, die um 30 n. Chr. entstanden sind.
Die rechte Wand des Tablinums, des getäfelten Hauptraums des altrömischen Hauses, ist recht gut erhalten. Die bemalte Fläche ist durch korinthische Säulen in drei Teile geteilt. Der korinthische Stil ist ein griechischer Baustil (seit dem 4. Jahrhundert v. Chr.). Er zeichnet sich durch das kelchförmige oben ausladende Pflanzenkapitell (Bekrönung von Säulen und Pfeilern) mit Akanthusblatt- und Volutenschmuck aus.
Gegenüber des Einganges erkennt man auf einem fast völlig verblassten Bild Polyphem und Galatea. Die griechische Sage erzählt, dass der Kyklop Polyphem sich in die spöttisch, fröhliche Meeresnymphe Galatea verliebte, die seine Liebe aber nicht erwiderte.
Vom Hof aus sieht man im rechtem Raum Landschaften und Stadtansichten, im linken Greif- und andere Vögel abgebildet. Im mittleren Raum gibt es ein Fresko in dem Merkur, der vom hundertäugigen Argus bewachten Geliebten des Zeus Io zur Hilfe kommt.
Auf einem weiteren Fresko sieht man Diana mit Gefolge im grünen Hain. Sie war in der römischen Mythologie die Göttin des Mondes und der Jagd. Der Hain von Aricia ist Ihre berühmteste Kultstätte in der Nähe des Sees Nemi. Oft wurde sie als junge Jägerin oder mit Pfeil und Bogen dargestellt.
In einem anderen Raum besteht die Dekoration aus einer Girlande aus Früchten und Laub. Weiter oben sind auf gelben Grund Szenen aus dem Leben der Ägypter zu sehen. Diese ägyptischen Bildelemente werden als modisches Dekor und Ausdruck exotischen Geschmacks gewertet. Sie deuten Wohlstand aber auch die paradiesischen Züge Ägyptens an. Zusammengefasst werden sie unter dem Stichwort Ägyptomanie.
Auffallend ist auch die Scheinarchitektur, Architekturteile die nur auf die Wände auf gemalt sind.
Kurze Biografie der Livia
Literaturverzeichnis: Dorling Kindersley, Vis a vis Rom
Dumont visuell, Reiseführer Rom
Microsoft Encarta 98
Bertelsmann Universal Lexikon ,1991
Antike Welt, Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte, 31. Jahrgang 2000 Ausgabe 4, Artikel von Magdalena Söldner
Der Palatin |
Gang im Haus der Livia mit Mosaikfußboden |
Der "Garten" in der Villa der Livia ist als ein von Mauern eingefaßter Hain mit verschiedenen Bäumen und zahlreichen Vögeln dargestellt. |
Der Palatin |
Girlande aus Früchten und Laub |