Dienstzeit und Karrieremöglichkeit im römischen Heer

Inhalt:

1.) Aufnahme in die Armee

2.) Allgemeine Dienszeit

3.) Zusammensetzung und Dienstgrade der Legion

4.) Die Zenturionen

5.) Das Primipilat 

Aufnahme in die Armee

Hatte sich ein junger Mann entschlossen Soldat zu werden , musste er sich zuerst einer Musterung , einer so genannten probatio unterziehen. Sie diente zur Überprüfung seiner juristischen und medizinischen Diensttauglichkeit.

Wer gut lesen schreiben und rechnen konnte, hatte Aussicht, sogleich für den Gefreitenposten in der Verwaltung vorgesehen zu werden.

Nachdem die probatio erfolgreich absolviert war, begann für den Rekruten die 4- monatige Grundausbildung. Nach Abschluss durften sich die Rekruten, die durchgehalten hatten, Soldaten (milites) nennen. Wer den Anforderungen nicht gewachsen war, wurde nicht in die Legion aufgenommen.

 

Allgemeine Dienstzeit

Das Einstellungsalter von Soldaten schwankte zwischen 13 und 36 Jahren. Die Masse trat zwischen 18 und 26 Jahren in die Armee ein. Das Durchschnittsalter betrug 20,6 Jahre. Diejenigen die das Ende ihrer Dienstzeit erlebten (etwa 3 von 5 Soldaten) Wurden unter den ersten drei Kaisern nach durchschnittlich 28,1 Jahren entlassen.

Im Jahre 6 n. Chr. wurde die Dienstzeit bei der aktiven Legion von 16 auf 20 Jahre erhöht. An sie schloss sich die bei den Soldaten so verhasste Dienstzeit unter dem Vexillum der getrennt organisierten Veteranen (sub vexillum) an, im allgemeinen 5 Jahre. Aber auch nach Ablauf seiner Veteranenzeit hatte der Soldat oftmals nicht seine Ruhe, indem man ihn erneut als Aufgerufener (evocatus) verpflichtete. Dies war dann allerdings wirklich eine priviligierte Stellung, die häufig zum Centuriat führte.

Die Dienstzeit der Praetorianer betrug 16 Jahre. Auxiliarsoldaten erhielten nach 25 Jahren Abschied.

Die Legion (Zusammensetzung und Dienstgrade)

Die Legion war der Kernverband des römischen Heeres. Die Legion rekrutierte sich ausschließlich aus römischen Bürgern. Sie bestand aus 10 Kohorten, wobei die

2.-10. Kohorte je 6 Zenturie umfasste. Jede Zenturie wurde von einem Zenturio geführt. Die 1. Kohorte umfasste 5 Doppelzenturien, jede kommandiert von einem Zenturio.

Ferner hatte die Legion Reiter, die als Meldereiter und als berittene Eskorte des Kommandeurs eingesetzt wurden.

Den Oberbefehl über die Legion hatte ein Legat, dem sechs Tribunen unterstellt waren. Sie wurden von Rom entsandt und waren keine Berufssoldaten.

Es gab ein breites Spektrum zwischen den milites und dem Zenturio einer Legion von über 150 verschiedenen Dienstgraden und Funktionen, die man unter den Bezeichnungen immunes und principales zusammenfasst, was man etwa mit Gefreite und Unteroffiziere übersetzen könnte. Der immunes war ein vom Routinedienst befreiter Soldat.

Der principalis dagegen war ein Dienstgrad mit gewissen Befehlsbefugnissen und höherer Bezahlung.

Man unterschied den "sesquiplicarius" mit 11/2 fachen und den "duplicarius" mit doppeltem Sold, dieses waren Offiziere höheren Ranges.

Die Verhältnisse in den Zenturien, der eigentlichen Kampftruppe, sahen folgendermaßen aus:

Dem Zenturio unterstanden ein signifer (Feldzeichenträger), ein optio (Stellvertreter), ein tesserarius (Feldwebel), ein cornicen (Hornbläser) und ein custos armorum (Waffenwart).

An Rang stand der signifer über dem optio, doch funktionsmäßig war dieser der 2.Mann nach dem Zenturio, nämlich dessen Stellvertreter. Der optio war auch außerhalb der Legion ein weitverbreiteter Dienstgrad. Es gab eine ganze Reihe verschiedener optiones im Stab.

Eine besondere im Rang über dem signiferi stehende Gruppe bildeten die optiones ad spem, die unmittelbar zum Zenturio anstehenden optiones.

Die signiferi waren sehr großen Gefahren ausgesetzt und mussten deshalb sehr tapfer sein. Der ranghöchste Feldzeichenträger einer Legion war der aquilifer, der Träger des Adlers. Er rangierte gleich unterhalb des Zenturio, erreichte im Gegensatz zu optio und signifer nur selten diesen Dienstgrad. Der aquilifer scheint ein Ehrenposten für kurz vor der Entlassung stehende verdiente Unteroffiziere gewesen zu sein.

Der Stab der Legion enthielt viele verschiedene Dienstgrade.

Eine eigene Hierarchie bildeten Ärzte und Sanitäter. Die höheren Grade gehörten zu den Offizieren. Der miles medicus war dagegen ein Sanitätsunteroffizier und der capsarius ein Gefreiter.

Die Zenturionen

Die Zenturionen waren das Rückrad der römischen Armee. Von der Funktion her war der Zenturio gewiss Kompaniechef, der Führer einer Zenturia.

Die Zenturia waren nicht alle gleich an Rang. Die 5 Zenturionen der 1.Kohorte standen über den restlichen der Legion. Sie waren bekannt als primi ordines, die Zenturionen 1.Grades. Innerhalb der primi ordines gab es ebenfalls eine Rangfolge. Der primipilus war der ranghöchste Zenturio der Legion.

Die Zenturionen der 2.-10.Kohorte waren untereinander gleichgestellt.

Die große Mehrzahl der Zenturionen hatte sich vom einfachen Legionär hochgedient. Im Gegensatz zu den Tribunen, Praefekten und Legaten, die ihren Dienstgrad gewöhnlich ihrer sozialen Stellung zu verdanken hatten.

Allerdings gab es auch Seiteneinsteiger in den Zenturiat.

Die normale Laufbahn eines Zenturionen begann aber damit, dass er als Soldat in die Legion eintrat. Aufgrund von Leistungen und Glück wurde er dann immunes in der einen oder anderen Funktion, dann principales. Dabei gab es verschiedene Varianten.

Vom Dienstantritt bis zur Beförderung vergingen gewöhnlich 13-20 Jahre. Nicht selten wurde das Zenturiat erst nach Ende der regulären aktiven Dienstzeit erreicht.In einem solchen Fall hatte der Soldat etwa als optio, signifer oder aquilifer seine 25Jahre abgeschlossen, war dann als evocatus zur Truppe zurückberufen worden um dann nach wenigen Jahren zum Zenturio befördert zu werden.

Hatte er erstmal den begehrten Rang erhalten, blieb er oft bis zu seinem Tode im aktiven Dienst, wobei es zu Versetzungen von Legion zu Legion kommen konnte.

Der Primipilat

Das Primipilat war der Traum eines jeden Soldaten. Wer es so weit brachte hatte meistens 15-30Jahre als Zenturio gedient, bevor er nach durchlaufen der primi ordines für 1Jahr primipilus wurde. Es war die Personifikation des römischen Berufssoldaten. Er erhielt ein Gehalt, das ihm den Aufstieg in den Ritteradel gewährleistete.

Danach schied der Primipilus hochgeehrt und vermögend aus dem Dienst.

Für junge Leute konnte das Primipilat Ausgangspunkt für eine Karriere werden, die ihn unter Umständen in die Spitze der imperalen Führungsschicht brachte.

Innerhalb der Legion konnte ein Primipilus als praefektus castrorum eingesetzt werden. Dieser Lagerpraefekt stand rangmäßig im Legionskommando an

3.Stelle, nach dem Legaten und dem senatorischen Tribun.

Der Legionspraefekt diente etwa 3Jahre, manchmal erheblich länger. Der Dienstgrad stellte meist den Abschluss einer Laufbahn da.

Eine andere Möglichkeit war, dass der Primipilus als Tribun z.b. in die Praetorianergarde berufen wurde. Nach Rückkehr in den Legionsdienst wurde er primipilus iterum, ein Dienstgrad, der über dem des Lagerpraefekten rangierte. Ihm eröffneten sich überaus einflussreiche Ämter. Er konnte Statthalter einer kleinen Provinz, Finanzverwalter einer großen , womöglich sogar Praefekt von Ägypten oder der Praetorianergarde werden.

Die für die wirklichen Feldherrenaufgaben vorgesehenen Männer waren überwiegend in den senatorischen Adel aufgestiegene Ritter oder deren Söhne. Die typische Karriere eines erfolgreiche Offiziers sah etwa so aus: Mit Anfang 20 kam der junge Mann als Stellvertretender Kommandeur in eine Legion. War er begabt blieb er mehrere Jahre in der Legion und wurde an immer anspruchsvollere Aufgaben herangeführt. War der Kaiser zufrieden, erhielt der junge Mann rasch hintereinander die obligatorischen senatorischen Ämter und übernahm dann das Kommando über eine Legion.

Männer mit echten militärischen Fähigkeiten wurden mit einer der kaiserlichen Provinzen betraut, in denen die große Masse der Truppen stationiert war.

Im Allgemeinen waren die Provinzsoldaten 3-5Jahre in dieser Funktion eingesetzt, bevor sie endgültig den Militärdienst verließen

Der Provinzlegat war gleichzeitig der höchste zivile Beamte einer Provinz und der Oberbefehlshaber aller in seinem Amtsbereich stehenden Legions-und Auxiliartruppen.

Janina Lücke 01.12.2000