Das Verhältnis zwischen Rom und Karthago

Die Beziehungen vor 246 v. Chr.:

Nach der Vertreibung des letzten mythischen Königs von Rom, Taquinius Superbus, begann im Jahr 509 v. Chr. das erste Jahr der römischen Republik. Im selben Jahr schloß man bereits einen (wenn auch historisch nicht gesicherten) Handelsvertrag mit Karthago, indem die jeweiligen Interessensphären gegenseitig anerkannt wurden. Rom respektierte die Vorherrschaft Karthagos im westlichen Mittelmeer an, im Gegenzug entsagte sich Karthago jeglicher Übergriffe um römische Bundesgenossen.

Die Qualität des Verhältnisses zwischen den beiden Stadtstaaten läßt sich in der Folgezeit an der Übereinstimmung der Interessen messen. Solange sich ihre Grenzen noch nicht berührten, waren sie Verbündete, was auch weitere Verträge aus der späteren Zeit belegen. Noch im Jahr 281 v. Chr. waren sie den sog. Beistandspakt gegen den Molosserkönig Pyrrhos eingegangen und hatten 279 v. Chr. einmütig gegen ihn gekämpft.

 

Die drei Punischen Kriege:

Der Erste Punische Krieg:

Sowohl Römer als auch Karthager waren weiterhin von dem ungestümen Drang angetrieben, ihr Reich auszudehnen. Da die Wüste jedoch unbewohnbar war, richteten sich die Eroberungsgelüste der Karthager weiter nach Norden hin über das Mittelmeer. Als Rom den Südzipfel Italiens erreichte, beherrschten die Karthager bereits ein deutlich größeres Reich, das sich über die Balearen, Sardinien, Korsika sowie Teile von Spanien, Sizilien und Nordafrika erstreckte.

Aus einem relativ geringen Zwischenfall entwickelte sich, als sich die Interessenssphären beider Staaten überschnitten, der Erste Punische Krieg (264 v. Chr.). Streitpunkt war die Stadt Messina im Nordosten Siziliens. Samnitische Soldaten hatten die Stadt besetzt und der König von Syrakus bat nun sowohl Rom als auch Karthago um Hilfe – beide sagten zu. Zunächst besetzten daraufhin die Karthager die Stadt, wodurch sich Rom in seiner Ehre gekränkt fühlte. Der römische Kommandeur bestand infolgedessen darauf, in Messina einmarschieren zu dürfen. Nachdem der karthagische Befehlshaber diesem Wusch nicht entsprach, nahmen die Römer ihn gefangen und zwangen ihn, die Stadt zu räumen.

Als der Krieg begann, hatten die Römer – im Gegensatz zu den Karthagern – weder eine schlagkräftige Flotte noch besondere seemännische Erfahrung. Ihre Stärke lag dagegen in ihrem Heer; die Flotte, die sie in aller Eile bauten, war die erste in ihrer Geschichte.

Die Römer gewöhnten sich jedoch ausgesprochen schnell an das neue Element, und es war ein furchtbarer Schock für die Karthager, das gleich die erste Seeschlacht an die Römer verlorenging. In den drei großen Seeschlachten (260, 256 und 241 v. Chr.) errangen die Römer insgesamt drei große Siege. Die Karthager baten schließlich um Frieden.

In einem Diktatfrieden mußten die sie Sizilien und die Liparischen Inseln an Rom abtreten sowie eine hohe Kriegsentschädigung bezahlen.

Der Zweite Punische Krieg:

Schlimmer als das wog aber der Verlust der Seeherrschaft im Mittelmeer. So entstand aus Wut und Scham bald der Wunsch nach Rache und so rüstete Karthago für einen erneuten Krieg gegen Rom: Schritt für Schritt wurden Heer und Flotte wieder Kriegsvorbereitungen unterzogen und obendrein noch ein Hafen in Spanien als Basis für den Seekrieg gegen Rom errichtet.

Oberbefehlshaber der karthagischen Armee wurde der legendäre Hannibal, der Sohn Hamilkar Barkas. Nachdem letzterer seinen Sohn einen feierlichen Eid hatte schwören lassen, wurde dieser kaum 26 Jahre alt zu einem der gefährlichsten und existentiellen Feinde Roms.

Als Hannibal die griechische Kolonie Sagantum überfallen und geplündert hatte, erklärte Rom den Krieg, nachdem dessen Auslieferung abgelehnt worden war. Hannibal reagierte unerwartet rasch, in wenigen Wochen maschierte er mit 20.000 Mann Infanterie, 6.000 Mann schwerer Kavallerie und 38 Kriegselefanten über die Alpen nach Italien. In der Po-Ebene vereinigte er sich mit gallischen Stämmen, die ebenfalls auf Rache für ihre so eben erfahrene Niederlage sannen. Hannibal hoffte nun, daß sich weitere von Rom unterworfene Stämme ihm anschlossen, doch waren diese hierzu aus zwei Gründen nicht bereit: zum einen hatten sich die Römer bisher besiegten Feinden gegenüber relativ großmütig gezeigt und sie als Bundesgenossen mit vielen Freiheiten ausgestattet; zum anderen hatte niemand den rechten Mut, sein eigenes Schicksal in die Hände eines (noch) unerfahrenen Feldherrn zu legen.

Was nun folgte, löste in Rom ein Trauma aus. Im Dezember 218 v. Chr. verlor eine Legion etwa 3.000 Soldaten, als sie in einen von Hannibal gelegten Hinterhalt geriet. Nach weiteren schmerzhaften Verlusten versetzte er Rom im Jahr 216 v. Chr. fast den Todesstoß. Bei Cannae in Unteritalien rieben seine Truppen eine zahlenmäßig deutlich überlegene römische Armee nahezu vollständig auf. Seiner einfachen, aber genialen Taktik, den nur frontal angreifenden Gegner mit der Reiterei einzukreisen, fielen über 70.000 der 80.000 Legionäre zum Opfer. In der Folgezeit ist oft darüber spekuliert worden, warum Hannibal nun nicht Rom selbst angriff, obwohl ihm der Weg offenstand. Eine mögliche Erklärung könnte der Mangel an schwerem Belagerungsgerät gewesen sein. Statt dessen zog er ruhelos durch Italien verfolgt von kleineren römischen Einheiten, die selbst kleinste vom Haupttroß entfernte Einheiten überfielen. Hinzu kam, daß nun auch der Nachschub der karthagischen Streitkräfte durch römischen Truppen in Spanien abgeschnitten wurde. Außerdem schlugen weitere Legionen die aufständischen Stämme nieder und weitere Hilfe blieb Hannibal versagt. Nun griff Rom Karthago selbst an und vernichtete auch zu Hilfe eilende karthagische Italienarmee.

Der folgende Friedensschluß kam einer Kapitulation gleich: Verlust aller Kolonien, hohe Zahlungen, Geiselstellung, Bündnisverbot und totale Einbuße der Marine.

Der dritte Punische Krieg:

Doch Rom argwöhnte weiter, denn Karthago begann durch Reformen im wirtschaftlichen und politischen Bereich aufzublühen, obwohl es doch um sein gesamtes Reich beraubt war und sich in totaler Abhängigkeit zu Rom befand. Als exemplarisch hierfür können die Reden Catos gesehen werden, die er immer – unabhängig von der übrigen Debatte - mit den Worten schloß: "..., und im übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago zerstört werden müsse!"

Unter Führung von Scipio Aemilianus setzten sie dies auch später in die Tat um: nachdem sie die Stadt von 149 bis 146 v. Chr. belagert hatten, zerstörten sie diese vollständig und führten die Überlebenden in die Sklaverei. Damit war das Verhältnis von Rom und Karthago für immer zerstört.

 Verwendete Literatur:

  1. Was ist Was: Lewis, Brenda Ralph; Das alte Rom, Tessloff Verlag Nürnberg, 1974, S. 14 ff.
  2. Der kleine Pauly
  3. Chronik der Menscheit (Graphik)

Andreas Reißmann 03.02.00