DER PRINZIPAT
eine Monarchie im republikanischen Gewande
I. Die Ausgangssituation:
Caesar stieg durch etliche Machtkämpfe und
Bürgerkriege zum ersten großen Alleinherrscher des römischen
Reiches auf. Bereits nach fünf Jahren wurde er jedoch an den Iden des
März ( 15. März ) 44 v. Chr. ermordet, als er eine Reform des
römischen Staates plante.
Vor seiner Ermordung hatte der Diktator Caesar seinen Großneffen Octavian
zum Haupterben durch dessen Adoption eingesetzt, damit dieser seine Politik
weiterführe.
Der erst 19jährige Octavian gewann nach dem Tod Caesars auch schnell
an Macht, da den Mördern Caesars und deren Anhängern jegliches
Konzept zur Wiederherstellung der Republik fehlte. Sie blieben ohne Einfluß
und fielen größtenteils den folgenden Machtkämpfen zum Opfer.
Octavian schloß sogar mit Marcus Antonius, einer der Unterfeldherren
Caesars, ein Bündnis, um sich an den Mördern Caesars zu rächen.
Dieses Bündnis hielt allerdings nicht lange, so daß sie Konkurrenten
um die Herrschaft über Rom wurden. In diesem Machtkampf fand Octavian
in Italien und beim Senat Unterstützung, dem er als das geringere Übel
erschien. So konnte sich Octavian als der rechtmäßigeVorkämpfer
Roms gegen einen machthungrigen orientalischen Gewaltherrscher (Antonius)
aufspielen. Der Sieg in der Seeschlacht bei Actium 31 v. Chr. über Antonius
und der mit ihm verbündeten Ägypterkönigin Kleopatra sicherte
Octavian schließlich die alleinige Regierungsmacht. Der jahrzehntelange
Bürgerkrieg war damit beendet.
II. Das neue Herrschaftssystem:
Octavian legte am 13. Januar 27 v. Chr. alle besonderen Vollmachten, die
er aus der Zeit der Bürgerkriege besaß, nieder und erklärte
feierlich, die Republik sei wiederhergestellt. In Wirklichkeit hatte Octavian
die Macht aber nicht abgegeben, sondern begann an diesem Tag den Prinzipat
als Herrschaftsform zu errichten, indem er mehrere republikanische Ämter
ohne Umsturz der Verfassung in seiner Person vereinigte.
Octavian nannte sich nun ,,Princeps d.h. ,,erster
Bürger und versteckte so die neu gewonnene Macht klug.
Außerdem verlieh ihm der Senat den Ehrentitel
,,Augustus
(der Erhabene ), welcher bisher nur den Göttern vorbehalten war.
Die alten Ämter der Republik bestanden weiter, Augustus erhielt jedoch
durch den Senat und die Volksversammlung alle Befugnisse, die mit diesen
Ämtern verbunden waren. Er hatte also alle Rechte, die früher der
Konsul, Zensor oder Tribun besessen hatten. Als Imperator ( Feldherr ) hatte
er außerdem den Oberbefehl über das Heer, welches in ein stehendes
Heer von Berufssoldaten umgewandelt wurde. Alle Provinzen an den Rändern
des Reiches, in denen Legionen die Grenzen sicherten, unterstanden ihm direkt.
Er ließ sie durch persönliche Beauftragte ( Legaten ) verwalten.
Augustus begann eine Bürokratie mit bezahlten Beamten zur Verwaltung
des Staates zu errichten, wozu besonders Angehörige des Ritterstandes,
vielfach aber auch
freigelassene Sklaven
herangezogen wurden. Damit verloren die alten Ämter, zum Beispiel des
Adels, an Bedeutung.
In der Stadt sorgten die Prätorianer, eine besonders
ausgewählte Leibgarde, für den Schutz Augustus. Als Pontifex Maximus
(seit 12 v. Chr. ) kontrollierte er auch den wichtigsten religiösen
Bereich. Auf den Fiskus, die Einnahmen Augustus aus den kaiserlichen Provinzen,
hatte der Senat keinen Einfluß mehr. Dadurch konnte Augustus bei
Versorgungsschwierigkeiten in Rom mit Getreidespenden persönlich eingreifen.
Zugleich war er in der Lage, durch umfangreiche Bautätigkeit
Beschäftigungsprogramme aufzustellen. Damit hatte Augustus die
Bevölkerung in der Hand, die er außerdem mit prächtigen
Wagenrennen, Gladiatorenkämpfen und Schauspielen für sich gewann.
Niemand hatte mehr die Kraft sich gegen ihn zu stellen; die Menschen
fürchteten vor allem einen neuen Bürgerkrieg und fügten sich
seiner Herrschaft. Immer wieder betonte Augustus jedoch, daß alle seine
Maßnahmen als Erfüllung des Senatswillens anzusehen und alle seine
Würden von Entscheidungen des römischen Volkes herzuleiten seien.
Der Prinzipat war noch nicht das absolut herrschende Kaisertum späterer
Zeiten, es war dessen Vorstufe, eine Monarchie im republikanischen Gewande.
Der Herrschertitel ,,Kaiser läßt sich übrigens
von dem Namen ,,Caesar ( ausgesprochen Käsar ) ableiten,
den Augustus seit seiner Adoption trug. Außerdem wurde ihm der Titel
,,pater patriae ( Vater des Vaterlandes ) verliehen. Der Beinamen
,,pater war unteranderem ein Titel des Jupiter und rückte
Augustus weiter in göttliche Sphären.
Die Verfassung des Prinzipats auf einen Blick :
Im Vergleich dazu die alte Verfassung:
III. Der Prinzipat im julisch claudischen Geschlecht von 14
bis 54 n. Chr.
Nur die Beliebtheit des Augustus ermöglichte den Übergang der
Herrschergewalt von ihm auf
Tiberius. Der
neue Princeps wollte das Beste, als er die Regierung antrat. Er achtete die
Rechte des Senats und stärkte sie sogar, indem er ihm die Wahl der Beamten
übertrug, die bisher Sache des Volkes gewesen war. Aber seine
mißtrauische Art erschwerte ihm, das Vertrauen des Senats zu gewinnen,
und führte schließlich dazu, daß der Gardepräfekt Sejan
mit Duldung des Tiberius eine Art Nebenregierung errichtete; verhängnisvoll
kam hier zum ersten mal die Macht der Garde zum Ausdruck. Mit Gift und Mord
wütete Sejan gegen den Senat und die kaiserliche Familie unter dem Vorwand,
Verschwörungen niederschlagen zu müssen, bis Tiberius erkannte,
daß Sejan selbst nach der Macht strebte, und ihn beseitigte. Als Tiberius
37 n. Chr. starb waren Senat und Volk erleichtert, da die Spannungen zwischen
ihm und dem Adel groß geworden waren.
Sein zum Nachfolger bestimmter
Neffe Germanicus
war schon früh gestorben, daher mit Unterstützung der Garde dessen
junger Sohn
Caligula,
der sich in seinen wirren Phantasien als Gott fühlte und jeden umbringen
ließ, der ihm verdächtig erschien. An ihm wurde zum ersten Mal
jene Überspannung des Selbstwertgefühls beobachtet, die man seitdem
als ,, Caesarwahn bezeichnet. Senat und Prätorianer vereinigten
sich daher zu seiner Beseitigung ( 41 n. Chr.)
Schon glaubte der Senat die alte Republik wiederherstellen zu können,
als die Garde den 50jährigen
Claudius,
einen Onkel des Caligula, zum Nachfolger ausrief. Wieder wagte der Senat
nicht, der Garde entgegenzutreten, obwohl
Claudius
als Sonderling galt. Die Regierung des neuen Kaiser war musterhaft, doch
ging die Reichsverwaltung mehr und mehr in die Hände der Freigelassenen
über. Der Senat wurde aus der Verwaltungsarbeit gedrängt und Claudius
Ansehen erlitt schwere Einbußen. 54 n. Chr. wurde er
von seiner
eigenen Frau umgebracht.
Andrea Steinke 1998/99