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Universität Hannover Fachbereich Germanistik Sommersemester 2001 Seminar: Einführung in die
Literaturwissenschaft II Dozentin: Frau Professorin
Elisabeth Lenk
Hausarbeit
Petrons
Cena Trimalchionis – Gastmahl bei Trimalchio unter besonderer
Berücksichtigung der Thesen Erich Auerbachs aus dessen Buch
„Mimesis“
Verfasst von: Stefanie Siever Bewertung durch die Dozentin: Eine klare, kritische und obendrein amüsante Hausarbeit. Sehr gut.
INHALTSVERZEICHNIS
Seite 1. Einleitung
1.1. Der Autor Petron
...........................................................................................................1
1.2.Das Werk „Gastmahl bei Trimalchio“
.........................................................................1/2 2.Die Thesen Auerbachs .........................................................................................................2
2.1. Die Erzähler-These 2.1.1.Die These
.................................................................................................................2 2.1.2. Kritische Überprüfung der Erzähler-These
...........................................................2/3
2.2. Die Realismus- These 2.2.1. Die These
.................................................................................................................3 2.2.2. Kritische Überprüfung der Realismus-These
.........................................................3/4
2.3. Die Grenzen –des –Realismus-These 2.3.1. Die These .................................................................................................................4 2.3.2. Kritische Überprüfung der Grenzen –des
–Realismus-These ................................4/5
2.4. Die These zum Zeitgeschehen 2.4.1. Die These ...............................................................................................................
5 2.4.2. Kritische Überprüfung der These zum Zeitgeschehen
..........................................6/7
2.5. Die Zielgruppen-These 2.5.1. Die These
................................................................................................................7
2.5.2. Kritische Überprüfung der Zielgruppen-These
.....................................................7/8 3.Abschlussbemerkung
...........................................................................................................8
1.
Einleitung 1.1. Der Autor Petron Das „Gastmahl bei Trimalchio“ (so der deutsche Titel der
„Cena Trimalchionis“) ist von einem römischen Schriftsteller namens Gaius
Petronius (auch Petron oder Petronius Arbiter) geschrieben worden. Sein Geburtsdatum ist nicht bekannt.
Er war Prokonsul in Bithynien (Kleinasien) und lebte später am Hofe Neros „als
oberste Instanz des erlesenen Geschmacks (arbiter elegantiae)“[1],
woher auch sein Beiname Arbiter rührt. Somit kannte er die Verhältnisse am Hof
genau. Inzest Neros mit seiner Mutter, Ermordung seiner Frau, Willkür und viele
andere Ungeheuerlichkeiten gehörten zum Hofalltag. Dort wandelte sich der
ehemals strenge Konsul Petron zum angepassten Lebemann. Bei Nero in Ungnade
gefallen beging er 66 n.Chr. Selbstmord. 1.2. Das Werk „Gastmahl bei Trimalchio“ Der Nachwelt ist Petron durch das „Gastmahl bei Trimalchio“
in Erinnerung geblieben. Dieses bildet die Hauptpartie des ansonsten nur in
Bruchstücken erhaltenen Romans „Satyricon“ („Schelmengeschichten“), dessen
Entstehungszeitpunkt unbekannt ist. Der Held und Ich-Erzähler ist ein junger Mann namens
Enkolpius. Dieser erlebt zusammen mit zwei Gefährten viele amouröse Abenteuer.
Mit einem Bekannten landen sie schließlich in einem Gelage von Trimalchio,
einem ehemaligen Sklaven, der als Freigelassener zu großem Reichtum gelangt
ist, aber nicht zum bei Freigeborenen dazu gehörenden Ansehen und Ruhm. Im Verlauf des Gastmahls werden die anwesenden Gäste
(zumeist auch Freigelassene), ihre Borniertheit, ihr Halbwissen und das erlesene, im Überfluss vorhandene Essen geschildert. Denn das Werk ist neben
seinem Vulgärlatein vor allem für die ausgefallenen Speisen bekannt, die immer
wieder die Phantasie von Köchen anregen. Das Essen wird in seinem Verlauf immer abstruser und endet
schließlich damit, dass Trimalchio sein eigenes Begräbnis probt. Der
Romanabschnitt selbst hört auf, als der Held mit seinen Freunden zum nächsten
Abenteuer eilt. 2. Die Thesen Auerbachs Erich Auerbach
(1892-1957) wählt für die Ausführungen in seinem Buch „Mimesis“ den Abschnitt
37,1-38,16 (siehe Anhang 1). Darin wird vor allem Fortunata, die Frau von
Trimalchio beschrieben. Auerbach geht
wenig auf die Beschreibung im Besonderen ein, sondern stellt allgemeine Thesen
anhand der Textstelle auf. Diese Thesen werde ich im Folgenden darstellen und zu jeder
kri-tische Überlegungen anstellen. 2.1. Die Erzähler-These 2.1.1. Die These Durch den Ich-Erzähler Enkolpius, der neben seinen eigenen
Be-obachtungen oft die Ansichten der anderen Gäste zitiert, ist die Perspektive auf die Tischgesellschaft glaubwürdig und abwechslungs- reich.
Diese Art der Darstellung ist in der Antike höchst selten. 2.1.2. Kritische Überprüfung der Erzähler-These Die Glaubwürdigkeit des Ich-Erzählers ist meiner Meinung
nach nicht zu leugnen. Dies wird besonders in den Passagen deutlich, in denen
Enkolpius seine Umgebung beschreibt, wie es am Beginn und auch während des
Gelages der Fall ist. Anfangs beschreibt er die Räumlichkeiten, durch die er zum
Gastmahl gelangt: „Im übrigen wäre ich selber, während ich alles bestaunte,
fast hintüber gefallen und hätte mir dir Beine gebrochen. Denn links vom
Eingang war unfern der Portierloge ein riesiger Kettenhund an die Wand gemalt,
und darüber stand in Großbuch- staben: WARNUNG VOR DEM HUNDE.“[2]
In diesem Stil beschreibt Enkolpius auch später das Essen und die Gäste. Zwischen diesen Beschreibungen kommen immer wieder Reden der
Gäste, die der Leser durch das Ohr des Enkolpius mitzuhören scheint. Er ist
genauso unwissend und erstaunt wie die Leser und dies zeigt sich immer wieder
in Fragen, die auch der Leser gestellt haben könnte. Dies macht das
Abwechslungsreiche an der Erzählform aus, da der Leser sich selbst anwesend
glaubt und sich nicht durch z.B. indirekte Rede vom Geschehen distanziert
sieht. 2.2. Die Realismus-These 2.2.1.
Die These
Da Fortunata als außerordentlich gewöhnlich, fast schon
ordinär beschrieben wird, erreicht Petron in seinem Werk eine realistische
Darstellungsweise nach modernen Vorstellungen, die ansonsten in der Antike
nicht zu finden ist. 2.2.2.
Kritische Überprüfung
der Realismus-These
Bereits durch die Erzählform erreicht Petron einen hohen
Grad an Realismus (siehe Abschnitt 2.1.2., S.2/3). Daneben benutzt Petron, der als Günstling am Hofe Neros mit
dem Benehmen der Menschen und ihrem Zeitvertreib vertraut war und dessen Roman
dadurch im höchsten Grade als realistisch erscheinen muss, die Sprache, um den
Realismus noch zu vergrößern. Dabei muss verdeutlicht werden, dass die Gäste zum Großteil
aus Freigelassenen meist fremder Herkunft bestehen, deren Latein da- durch
gebrochen und vulgär ist. Deshalb tritt das fehlerhafte Latein auch nur in der
Sprechsprache auf. Stellen, in denen Enkolpius seine Umgebung beschreibt, sind
in korrektem Latein geschrieben. Die Verdeutlichung der Problematik wird mir
dadurch erschwert, dass ich im Deutschen zitiere. Aber auch hier wird das
Pidgeon-Latein deutlich: „Übrigens konnte ich mich heute gar nicht baden; ich
war heute auf den Friedhof. Ein netter Mann, der herzensgute Chrysanthus, hat
den letzten Schnaufer getan. Gerade eben hat er mir noch guten Tag gesagt. Mir
ist, als ob ich noch mit ihm spreche. Gott, ach Gott! Luftballons
auf Beinen sind wir!“[3]
Abgesehen von dem Kasusfehler („ich war auf den Friedhof“) benutzt
dieser Gast höchst umgangssprachliche Phrasen („den letzten Schnaufer getan“,
„Luftballons auf Beinen“). Solche und ähnliche Fehler in der Sprache sind sehr
häufig. Daneben wird der Realismus auch durch die Halbbildung der
Freigelassenen gestärkt. Auf diesen Gesichtspunkt werde ich in Ab- schnitt
2.5.2. (S.7/8) näher eingehen. 2.3. Die Grenzen-des-Realismus-These 2.3.1. Die These Trotz des Realismus bleibt Petron bei der Stiltrennung
innerhalb der ästhetischen Tradition: Alltägliches, so auch das Gastmahl, darf
nur komisch dargestellt werden. Dadurch werden die gezeichneten Figuren zu
Karikaturen. Aber auch die Lage des Volkes realistisch zu beschreiben ist fast
unmöglich. Somit hat der Realismus Petrons sehr enge Grenzen. 2.3.2. Kritische Überprüfung der Grenzen- des- Realismus-These Nicht ohne Grund wird Petron das Gesamtwerk, aus dem das
„Gastmahl bei Trimalchio“ stammt, „Satyricon“ genannt haben. Denn neben der
Bedeutung „Schelmengeschichten“ aus dem Griechischen ist der Begriff auch an
das lateinische „satira“ angelehnt, was „Spottgedicht“ oder „Satire“
bedeutet. Das Satirische an der Darstellung des Trimalchio und seiner Gäste ist
also bewusst und gewollt. So ergibt sich die Frage, ob Petron die Problematik nicht
anders darstellen wollte oder konnte. Zu Beantwortung dieser Frage aber müsste
bekannt sein, aus welcher Motivation er schrieb. Auf den ersten Blick scheint
dieses leicht zu beantworten: Er will Kritik an den Verhältnissen üben. Aber
kritisiert er wirklich? Zwar deckt er das oberflächliche Leben der
Freigelassenen auf, aber es ist nicht ein Wort der Kritik und keine klare
Position zu hören. Dafür ist die Erzählerfigur Enkolpius auch nicht angelegt:
Er frönt selbst gern diesem Lebensstil, kann ihn sich aber nicht leisten. Folglich bleibt die wahre Motivation Petrons im Dunkeln.
Klar scheint nur zu sein, dass er sich diesem Lebensstil weder völlig
identifiziert noch sich völlig von ihm distanziert. Deshalb bleibt für mich auch die Frage offen, weshalb Petron
den komischen Stil benutzte. Sicherlich wollte er die Freigelassenen verspotten
und machte sie deshalb zu Karikaturen. Vielleicht hielt er sich auch wirklich
an die ästhetische Tradition. Vielleicht hatte er an einem ähnlichen Gastmahl
schon teilgenommen und schrieb einfach die Wahrheit. Vielleicht kamen auch
mehrere Gründe zusammen. Letztendlich trägt aber auch das fehlende
Entstehungsdatum dazu bei, dass die Vermutungen nur Spekulationen sind. Somit kann auch nicht beantwortet werden, wie eng die
Grenzen von Petrons Realismus gezogen sind. Denn neben den oben ausgeführten
Einwänden gibt es von Petron keine Vergleichsmenge anderer Schriften, anhand
derer erkennbar wäre, ob er die Stiltrennung durchgängig oder nur in diesem
Fall verwendet hat. 2.4. Die These zum Zeitgeschehen 2.4.1. Die These Die Personen werden nur individuell beschrieben. Petron
zieht keinen großen Bogen, der das allgemeine Zeitgeschehen auch nur
ansatzweise beschreibt. So sind auch keine genauen Zeit- und Ortsangaben
vorhanden. Somit fehlt dem Roman in Bezug auf die Verhältnisse jener Zeit jeder
Tiefgang. 2.4.2.
Kritische Überprüfung
der These zum Zeitgeschehen Auerbach stellt mit Recht fest, dass der Roman keinen
geschichtlichen Tiefgang besitzt. In der Tat werden die Einzelschicksale
abstrakt, losgelöst vom allgemeinen Zeitgeschehen dargestellt. So auch im Fall
von Fortunata. Auch sonst werden immer wieder Schicksale von Menschen ohne
tiefgreifende Analyse aufgezeigt: „
,Da, der letzte am Tisch: Heute hat er seine Achthunderttausend in der Tasche.
Mit nichts hat er angefangen.[...]´“.[4]
Der so Beschriebene hat für das Gastmahl keine weitere Funktion. Aber durch diese Einschübe bekommt der Roman seinen eigenen
Reiz. Zwar wird tatsächlich nie auf die genaueren geschichtlichen Umstände
eingegangen, aber dafür hat Petron meiner Meinung nach auch nicht geschrieben.
Denn für die Geschichtsschreibung gab es eigene Autoren, wie z.B. Tacitus
(geboren um 55, gestorben um 120), der in seinen „Annalen“ alles politisch und
geschichtlich Bedeutsame eines Jahres festhielt. Daher war Petron sicher nicht ambitioniert, eine weitere
Geschichtsschreibung (auch nicht am Rande) zu eröffnen, sondern zielte
anscheinend auf die Unterhaltung seiner Leser
(siehe Abschnitt 2.5.2, S.7/8). Die damals Angesprochenen sind mit der
Situation vertraut gewesen, so dass weitere Erläuterungen überflüssig waren.
Nach meiner Meinung hätte auch „eine ganz unsystematische, aber ständige und
bewusste Verbindung mit Zeitereignissen“[5]
konstruiert gewirkt. Denn bei einer Unterhaltung, die Auerbach als „ordinärer
Klatsch“[6]
einstuft, wird das Zeitgeschehen, wenn es zur Sprache kommt, vermutlich nur
angedeutet werden, da die Anwesenden die Anspielungen verstehen. So beschwert sich ein Gast über den hohen Kornpreis und die
„Hungerleiderei“[7], was bei den
beschriebenen Köstlichkeiten im Überfluss als pure Ironie erscheinen muss. Aber
neben der Ironie zeigt es, dass durchaus auch aktuelle Themen angesprochen
werden – allerdings nur nebenbei, da Petron wie gesagt keine Geschichtsschreibung betrieb. 2.5. Die Zielgruppen-These 2.5.1. Die These Petron schreibt für die Hochgebildeten seiner Zeit, nicht
für die Masse. Deshalb ist das angewendete Vulgärlatein nicht als Hinwendung
zum Volk gedacht, sondern als Pointen für die kleine Elite, an die das Buch
gerichtet ist. Durch das primitive Denken der Freigelassenen und durch
Andeutungen auf das Zeitgeschehen bekommt der Hochgebildete einen Blickwinkel
von oben, da diese Bemerkungen verstehen und verspotten kann. 2.5.2. Kritische Überprüfung der Zielgruppen-These Dass diese These Auerbachs stimmt, darauf deuten viele
Gesichtpunkte hin. Sicherlich hat Petron nicht für die breite Masse
geschrieben, sondern für eine geringe Klientel, den Kaiser und seine Umgebung.
Für dieses ist es vermutlich ein schöner Zeitvertreib über die Freigelassenen
und deren Nachäffen der höheren Gesellschaft zu spotten. Dass Petron durch die
Freigelassenen auch das kaiserliche Umfeld selbst gemeint haben kann, wird der
potentielle Leser sicherlich nicht gemerkt haben. Um die Personen im Werk verspotten zu können und den
Blickwinkel von oben zu erlangen, den Auerbach anführt, lassen sich eine Vielzahl
von Anspielungen finden, die einige Bildung voraussetzen, die den
Hochgestellten der Gesellschaft vorbehalten war. Ihnen musste das Halbwissen
der Freigelassenen besonders auffallen. So werden Trimalchio von seinen Gästen Komplimente für seine
astrologische Bildung gemacht, obwohl er nur das auch im Volk gängige
Verständnis der Tierkreiszeichen aufzählt.[8]
An anderer Stelle bringt Triamlchio seine Kenntnisse der
Mythologie zu Gehör. Er behauptet neben einigem anderen Unsinn, Agamemnon habe
Helena aus Troja entführt, was selbstverständlich Paris getan hat.[9]
Durch diese und ähnliche Äußerungen wird dem gebildeten Leser in der Tat ein
äußerst abfälliger Blickwinkel von oben auf die Tischgesellschaft gegeben. Infolgedessen wird deutlich, dass dieses Buch tatsächlich
für die Oberschicht geschrieben worden ist. Zwar hätte auch das Volk sicherlich die Ironie verstanden, aber es
hätte niemals den Blickwinkel von oben gewinnen können, da ihm die Bildung
fehlte. 3. Abschlussbemerkung Zusammenfassend bin ich mit den Kritikansätzen Auerbachs
nicht vollständig einverstanden, vor allem, wenn es um die Motivation Petrons
und daraus resultierenden Stilfragen geht. Nach meinem Empfinden fehlen
genauere Kenntnisse, wann das Werk geschrieben wurde, um den Stilgebrauch zu klären.
Wenn Petron den Roman zu seiner Prokonsulzeit geschrieben hätte, wäre er
bestimmt kritischer gemeint, als wenn er ihn zu seinen Zeiten am Kaiserhof
verfasst hätte.
[1] aus: Petronius: Cena Trimalchionis- Gastmahl bei
Trimalchio, Lateinisch- Deutsch von Konrad Müller und Wilhelm Ehlers, dtv,
München 1979, S.5 [2] aus: Petronius ,a.a.O., Kap. 29,1, S.15/17 [3]aus: Petronius, a.a.O., Kap.42, 3/4, S.41 [4] aus: Petronius, a.a.O., Kap.38, 7, S.31 [5] aus: Auerbach, Erich: Mimesis-Dargestellte Wirklichkeit in
der abendländischen Literatur, Francke Verlag Tübingen und Basel, 9. Auflage
1994, S.36 [6] aus: Auerbach, Erich, a.a.O., S.30 [7] aus: Petronius, a.a.O., Kap.44, 3, S. 45 [8] vgl. Petronius,
a.a.O., Kap.39, 4-15, S.33/35/37 [9] vgl. Petronius, a.a.O., Kap. 59,4/5, S.79
Bibliographie:
Primärliteratur: 1. Petronius: Cena Trimalchionis- Gastmahl bei Trimalchio,
Lateinisch- Deutsch von Konrad Müller und Wilhelm Ehlers, dtv, München
1979 2. Petronius: Cena Trimalchionis, Ernst Klett Verlag, 1.
Auflage, Stuttgart 1983
Sekundärliteratur: 3. Auerbach, Erich: Mimesis-Dargestellte Wirklichkeit in der
abendländischen Literatur,
Francke Verlag Tübingen und Basel, 9. Auflage 1994, S.28-52 4.
Bartels, Klaus: Veni vidi vici- Geflügelte Worte aus dem
Griechischen und Lateinischen, dtv, 7.Auflage, München 1992, 5.
Fuhrmann, Manfred: Geschichte der römischen Literatur, Reclam,
Stuttgart 1999 6.
Hosner, Josef: Studien zur lateinisch- romanischen Sprachentwicklung
am Beispiel der gesprochenen Partien in der „Cena Trimalchionis“,
Dissertation, Bochum 1984 7.
Städele, Alfons: Petronius- Cena Trimalchionis mit zwei Ausschnitten
aus den übrigen Teilen des „Satyricon“- Einführung, Auswahl und
Anmerkungen, Bayerische Verlagsanstalt, 5. Auflage, Bamberg 1996
ANHANG
1 „Das ist Fortunata, Trimalchios Frau, die das mit dem Scheffel misst. Und früher, was glauben Sie wohl, was die gewesen ist? Nehmen Sie es mir nicht übel, Sie hätten aus Ihrer Hand kein Stück Brot genommen. Aber jetzt ist sie mir nichts dir nichts in Paradies abgeschwommen, und ist dem Trimalchio sein ein und alles. Also ich sage Ihnen, wenn die am hellen Mittag sagt, es ist dunkel, er glaubt es. Der weiß gar nicht wie viel er hat, so steinreich ist er; aber sie, das Luder, passt auf, auch wo man es gar nicht vermuten sollte. Sie trinkt nicht, ist sparsam, und weiß immer Rat, dabei aber ein Schandmaul, eine richtige Elster. Wen sie mag, den mag sie; und wen sie nicht mag, den mag sie nicht. Der Trimalchio hat Grundstücke, so weit die Falken fliegen, unzählige Millionen. Im Keller von seinem Portier liegt mehr Geld als andere Leute überhaupt ihr Vermögen haben. Und das Sklavenpersonal! Ich glaube nicht, dass auch nur der Zehnte Teil davon je seinen Herrn zu sehen kriegt. Also ich sage Ihnen, neben dem kann jeder von den Maulaffen hier einpacken. Und glauben Sie nicht, dass der irgendeinmal zu kaufen braucht; alles ist eigene Produktion: Wolle, Wachs, Pfeffer- und wenn Sie Hühnermilch haben wollten, sie wäre da. Also ich sage Ihnen, er hatte nicht genug eigene Produktion an guter Wolle; da hat er sich Widder aus Tarent gekauft, und sie in seine Herde gesteißt ... Sie sehen, wie viel Kissen hier herumliegen; da ist keines dabei, das nicht mit Purpur- oder mit Scharlachwolle gefüllt wäre: da können Sie sehen, was für ein glücklicher Mann das ist. Auch seine Mitfreigelassenen sind nicht zu verachten. Die haben ihr Schäfchen im Trockenen. Sehen Sie den letzten da hinten? Der hat heute seine Achthunderttausend. Er hat mit nichts angefangen. Es ist gar nicht lange her, da schleppte er Holz. Aber wie die Leute erzählen – ich weiß es nur vom Hörensagen - er hat einem Heinzelmännchen die Kappe stibitzt, und dann hat er einen Schatz gefunden. Er ist übrigens eben freigelassen und hat noch große Rosinen im Kopf (?). Neulich hat er in einer Anzeige seine Wohnung zum Vermieten angeboten: „C. Pompeius Diogenes vermietet zum 1.Juli seine Wohnung, er hat sich nämlich ein Haus (vielleicht auch: eine elegante Wohnung) gekauft.“ Und der da auf dem Platz des Freigelassenen, wie gut ist es dem früher gegangen! Ich will nichts Böses von ihm sagen, er hat mal eine Million gehabt, aber dann ist es schief gegangen, und jetzt gehören ihm, glaube ich, nicht mal mehr die Haare auf seinem Kopf...“ (aus:
Auerbach, Erich: Mimesis-Dargestellte Wirklichkeit in der abendländischen
Literatur, Francke Verlag Tübingen und Basel, 9. Auflage 1994, S.28/29)
Stefanie Siever (23.06.2001) |