|
Der Vestatempel
1. Geschichtlicher Hintergrund
Vesta war die Tochter von Kronos und Rhea (Muttergöttin). Einer ihrer Brüder war Zeus. Vesta galt als die Göttin des Feuers und des häuslichen Herdes (obwohl der Herd eher den Penaten* geweiht war). Ihr Name leitet sich von dem der griechischen Göttin Hestia ab, die ebenfalls Feuergöttin war. Ebenfalls war Vesta die Schutzgöttin der Familie und des Staates, dadurch hing das Schicksal Roms stark von den Riten des Vesta-Kults ab. Außerdem war sie für das Glück der Könige verantwortlich. Vesta zu Ehren brannte in ihrem Tempel auf dem Forum Romanum ein ewiges Feuer, das als Symbol der Ewigkeit Roms galt und von den Vestalinnen bewacht wurde. Diese Priesterinnen waren auch für die Vorbereitung von Festen verantwortlich, so zum Beispiel die "Vestalia". An diesem Fest vom 7. bis 15. Juli jeden Jahres zogen alle römischen Frauen barfuß zum Tempel der Vesta, bekamen von den Vestalinnen die mola salsa (=Opfer) ausgeteilt und brachten sie der Vesta dar. Weitere Feste sind die Fruchtbarkeitsrituale Fordicia und Parilia, an denen aber nur die Vestalinnen teilnahmen. Ein anderer Anlass, Vesta zu ehren, war die Amtsernennung von Prätoren, Diktatoren oder Konsuln. Dabei zogen diese nach Lavinium (religiöse Metropole Roms) und brachten Vesta Opfer dar. Darstellungen zeigen Vesta meist thronend, wobei erst im 1. Jahrhundert vor Christus auch Münzen mit ihrem Bild erschienen. Augustus hatte ihr 12 vor Christus ein Signum (Bild) auf dem Palatin geweiht, vermutlich auch einen Altar. Auf dem Forum Romanum stand ebenfalls eine Bronzestatue als eine der zwölf Götter, die wahrscheinlich im 3. Jahrhundert nach Christus entstanden ist. Der Charakter der Vesta ist bis heute ungeklärt. Häufig wird sie der Erde gleichgesetzt, was sich aber mit den Riten des Kultes nicht belegen lässt. Wahrscheinlicher ist, dass sie als eine Kraft im Feuer gesehen werden wollte; sie wollte nur ungern als Mensch dargestellt werden (daher keine Statue in ihrem eigenen Tempel). * Penaten: Götter des (Haus-) Inneren
2. Architektur des Tempels Der Vestatempel ist der bedeutendste Tempel der Stadt, in dem das heilige Feuer von den Vestalinnen gehütet wird. Er war nach dem Vorbild einer Hütte gebaut, der ältesten Wohnstätte des römischen Volkes, und war oben aufgrund des Feuers geöffnet. Während zehn Jahrhunderten wurde der Tempel sechsmal durch Brände mehr oder weniger heftig zerstört, aber jedes Mal wieder aufgebaut, zum letzten Mal zu Beginn des 3. Jahrhunderts n. Chr. durch Julia Domna, die Gattin des Septimius Severus. An innerster und verborgenster Stelle des Tempels waren verschiedene Gegenstände (Sacra pignora), Symbole der Größe und Ewigkeit Roms aufbewahrt, von denen der wichtigste das Palladium, das Bild der Minerva, war. Dieses Bild war der Überlieferung nach von dem griechischen Helden Diomedes aus Troja gerettet worden und bot damit für die Römer die Gewähr der Vornehmheit ihres Geschlechts. Im heiligen Raum des Tempels war eine Statue der Palas Athene zu finden, aber nur wenige Personen wie die Vestalinnen und der Pontifex Maximus durften diesen Raum betreten.
Quellen: dtv Lexikon der Antike (Band 2) Brockhaus Internetseite www.st-klemens.ch/projekte/rom/rom_08.htm Internetseite www.schueler.freepage.de/cgi-bin/feets/freepage_ext/41030x030A/rewrite/roe.../index/htm
Das Haus der Vestalinnen 1. Geschichtlicher Hintergrund Die Vestalinnen waren die sechs Priesterinnen der Göttin Vesta. Im Alter zwischen sechs und zehn Jahren traten sie dem Kult bei, wobei nur Töchter aus adligen Familie zugelassen wurden. Als Vestalin hatte man kein Recht auf ein späteres Erbe, hatte aber das Recht auf Besitz. Dieses war vorher durch den Einfluss des Vaters nicht möglich. Ihre Dienstzeit umfasste 30 Jahre. In den ersten zehn Jahren wurden sie als Novizen ausgebildet. Die zweiten zehn Jahre bestanden darin, den eigentlichen Kult zu bilden, abschließend bildeten sie in den letzten zehn Jahre selbst Novizen aus. Ihre Berufstracht bestand dabei aus der alten Brauttracht. Wenn die dreißig Jahre der Dienstzeit als Vestalin abgelaufen waren, kehrten die Frauen wieder in das gesellschaftliche Leben Roms zurück. Sie besaßen das Recht, jetzt heiraten zu können, aber die meisten taten dies nicht. Die oberste Pflicht der Vestalinnen war es, das heilige römische Stadtfeuer im Tempel der Vesta zu bewachen, so dass es nicht erlosch. Jede Vestalin, die Schuld daran trug, dass es doch erlosch, wurde ausgepeitscht. Eine weitere Aufgabe bestand darin, Opfergaben vorzubereiten, so zum Beispiel für die "Vestalia". Au&sz |